Rocamoras armada fliegt nach belgrad: gruppensieg schon sicher, perfektion jetzt pflicht

Spanien nimmt sich keinen Achtungstag. Die Handball-Guerreras landen am Sonntag in Belgrad, obwohl der Gruppensieg für die EHF EURO 2026 längst in der Tasche steckt. Joaquín Rocamora will die beiden letzten Quali-Spiele gegen Griechenland (8. April, 15.45 Uhr) und Israel (12. April, 18 Uhr) als Feinschliff nutzen – und als Generalprobe für den K.-o.-Modus im Sommer.

Kein luxus, sondern programm

Kozani wird zur Schaltzentrale. Das griechische Bergnest, 35.000 Einwohner, 500 Meter über dem Meeresspiegel, soll die Mädchen auf Höhenluft trimmen. Drei Tage vor dem Duell mit dem Gastgeber zieht Rocamora seine 18 Spielerinnen in das Provinznest, wo 2019 schon die U-19-Europameisterinnen trainierten. Er kennt die Hallenluft, die holprige Busreise von Thessaloniki, den Kaffee, der so stark ist, dass er Leder zergehen lässt. Für ihn ist das kein Luxus, sondern Programm.

Die Nominierung liest sich wie ein Who-is-Who des spanischen Club-Booms. Maddi Aalla Rotaetxe stemmt sich zwischen die Pfosten des ungarischen Topklubs Alba Fehervar KC, während Lucía Prades Ricondo bei Bera Bera RT die Kreiskontrolle übernimmt. Drei Geschwisterpaare? Fast. Die Tchaptchet-Zwillinge Lyndie und Lysa blockieren im Zentrum, als hätten sie dieselbe Uhr. Rocamora verlangt Doppelfunktion: Angriffsanker und erste Pressing-Linie. Wer da nicht pariert, fliegt raus – egal, ob die Gruppe schon gewonnen ist.

Die Statistik lügt nicht: Spanien kassierte in dieser Quali nur 88 Gegentore, weniger als jede andere Nation im europäischen K.O.-Topf. Doch die Trainerbank schaut nach vorn. „Wir wollen 55 Tore aus dem Rückraum, nicht 50“, zitierte ihn der Verband nach dem 31:21 gegen Frankreich. Kleine Zahlen, große Wirkung. Ein Plus von fünf Treffern kann im Dezember zwischen Halbfinale und Heimreise entscheiden.

Israel-gipfel als gradmesser

Israel-gipfel als gradmesser

Der Schlussakt in Kozani ist mehr als ein Schaulaufen. Israel hat in den letzten 18 Monaten dreimal gegen Top-10-Teams über 25 Treffer erzielt – und verlor trotzdem. Gegen diese Defensiv-Flexion will Rocamora sein 3-2-1-System testen, bei dem Prades als fliegende Zapfenstange agiert. Klappt das gegen Israels 5-1-Deckung, klappt es auch gegen Dänemark oder Norwegen.

Am 13. April geht’s zurück nach Barcelona. Dann haben die Guerreras 72 Stunden, um die Koffer wieder zu packen – die Final-Four-Tickets für die EURO 2026 in Prag liegen bereits in der Kabine. Spanien will nicht nur dabei sein, Spanien will den Titel. Die nächste Stufe beginnt in Kozani. Und Rocamora hasst es, Treppen zu überspringen.