Warum brasilien plötzlich zweite wahl ist – die geheime wm-lieblingsumfrage

Die Niederlage sitzt noch im Knochen, da kramt jeder Fan schon nach seinem Notnagel: einer anderen Nationalmannschaft, der man die Trophäe noch gönnen würde. Eine Umfrage des spanischen Sportportals Marca deckt auf, welches Team weltweit als Zweitliebster durchgeht – und wen absolut niemand auf dem Podest sehen will.

Brasilien erobert die sympathie – 48 stunden nach dem debakel

Die Zahlen schreien förmlich nach Revanche für fünf WM-Titel. 34 % der 120 000 Teilnehmer aus 42 Ländern würden, so das Ergebnis, auch dann noch jubeln, wenn Seleção statt ihrer eigenen Mannschaft den Pokar hochreißt. Der Grund: Erinnerungen an 1970 und 1982, an Tiki-Taka-Varianten in Gelb und an Neymars Tränen 2014, die ihn bis heute menschlich machen.

Knapp dahinter landet Japan mit 29 %. Das Samurai-Blue-Image liefert das perfekte Gegenstück zum eigenen Erfolgsdruck: technisch sauber, immer freundlich, nie arrogant. Dass die asiatische Mannschaft bei WM-Endrunden regelmäßig in der K.-o.-Phase scheitert, steigert nur das Mitleid – und damit die Beliebtheit.

Den dritten Platz teilen sich zwei Traditionsmannschaften, die sonst als Gegner alles zerlegen: Argentinien und Deutschland liegen bei 12 %. Lionel Messi verleiht dem Albiceleste nach dem Titel in Katar endgültig Legendenstatus, während die DFB-Elf von der Professionalisierung der Bundesliga profitiert. „Wenn schon nicht wir, dann wenigstens ihr“ – so klingt europäischer Realismus.

Deutschland als hassfigur? die antwort lautet: iran

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Das Schlusslicht der Umfrage ist eindeutig: 71 % würden einen Triumph des Team Melli als „Sport-GAU“ bezeichnen. Gründe nennen die Teilnehmer schnell: politische Repression, Frauenhass, staatliche Gewalt. Die FIFA-Kritik an Mahsa-Amini-Protesten schlägt sich direkt in die Fußballseele nieder. Ein Sieg würde laut Umfrage-Co-Autorin Marta Gómez „die Leute auf die Straße treiben – aber nicht zum Feiern“.

Die übrigen Verlierer der Herzen: Katar (59 % Ablehnung), Saudi-Arabien (54 %) und Russland (52 %). Hier scheiden sich nicht nur sportliche, sondern geopolitische Geister. WM-Gastgeber 2022 ist dabei kein Freifahrtschein für Sympathiepunkte, wie die Zahlen zeigen.

Was bleibt, ist ein Spiegel der Zeit: Sport ist längst nicht mehr nur Sport. Er ist Ventil, ist Moral, ist das kleine Stimmungsbarometer einer globalisierten Welt. Und wer jetzt denkt, die eigene Niederlage wäre das Schlimmste, irrt gewaltig. Das echte Grauen heißt für viele Fans: einen Sieger, den man moralisch nicht ertragen kann. Die Trophäe selbst ist aus Gold – doch wer sie hebt, bestimmt, wie lange das Jubelgeschrei dauert.