Warriors rätseln über porzingis: nur ein auftritt, dann wieder funkstille
Kristaps Porzingis trug das Golden-State-Trikot bislang 64 Minuten lang. Seitdem herrscht Nebel. Der Lette fehlte in fünf der letzten sechs Partien – und selbst die Warriors wissen nicht genau, warum.
„Es ist ein bisschen mysteriös“, gestand Steve Kerr vor dem Duell mit den Clippers. Der Coach klang wie ein Detektiv, der die Spur verloren hat. „Wir hoffen auf Klarheit“, fügte er hinzu, wobei das Wort „Hoffen“ im Mai selten gut klingt.

Die diagnose bleibt im verborgenen
Porzingis steht seit Jahren unter dem Einfluss von POTS, einem chronischen Kreislaufleiden, das Herz und Kopf in eine Dauerschleife zwingt. Am vergangenen Freitag kehrte der 2,21-Meter-Mann ins Training zurück – mit lächelndem Gesicht und verschlossener Akte. Gegen die Lakers saß er wieder in Straßenkleidung. Offizielle Lautbürgerschaft: „allgemeine Erkrankung“. Die Formulierung klingt nach Placebo für Unwissenheit.
Kerr hatte noch Anfang der Woche angedeutet, das POTS spiele eine Rolle, zog die Aussage später aber zurück. Die Front Office will offenbar keine Gesundheitsakte zum Handelsgut werden lassen – verständlich, aber auch ein Fass ohne Boden für Gerüchte.
Die Zahlen sprechen ohnehin eine klare Sprache: 19 Einsätze in dieser Saison, 16,8 Punkte im Schnitt, Vertragsende in wenigen Wochen. Für einen Spieler, der als Tausendsassa ins Silicon Valley der NBA geschwappt war, wirkt der Lebenslauf plötzlich wie ein Stundenlohnzettel.
Dabei ist das Timing brandgefährlich. Die Warriors kämpfen um Play-In-Plätze, Steph Curry fällt weiter aus, Klay Thompson sucht nach Rhythmus. Ein verlässlicher Porzingis könnte den Unterschied zwischen Frühjahrsurlaub und Meisterschaftsrennen bedeuten. Stattdessen liefern sie sich ein Wettrennen mit der eigenen medizinischen Abteilung – und die Uhr tickt.
Porzingis selbst schweigt, was in der Liga selten ein gutes Zeichen ist. Wer nicht spricht, lässt andere sprechen – über Trade-Spekulationen, Gehaltseinbußen, Karriereenden. Die Warriors zahlten für einen möglichen X-Factor, nicht für ein X-Files-Script.
Die Saison hat noch 15 Spiele. Wenn Porzingis nicht bald wieder aufläuft, bleibt Golden State nichts als die tröstliche Gewissheit, dass selbst ein mysteriöser Superstar billiger ist als ein gesunder Ersatzmann mit Langzeitvertrag. Die Frage ist nur, ob das reicht, um im Sommer nicht erneut die Rechnung zu präsentieren bekommen.
