Von grünigen kämpft sich von gehirnerschütterung zu silber bei paralympics
56,29 Sekunden. So wenig brauchte Fabrice von Grünigen, um sich von der Gehirnerschütterung bis zur Paralympics-Silbermedaille zu katapultieren. Der 24-jährige Snowboarder aus dem Berner Oberland fuhr im Banked Slalom der Kategorie SB-LL2 in Milano-Cortina die Konkurrenz alt aussehen – und sich selbst in die Schweizer Sportgeschichte.
Der lauf, der alles veränderte
Erst vor Tagen hatte der Verband noch mitgeteilt, dass von Grünigen wegen einer mittelschweren Gehirnerschütterung den Snowboardcross absagen musste. Die Mediziner rieten zur Pause. Er wählte den Gegenentwurf: Vollgas. Im ersten Lauf des Banked Slalom legte er eine Zeit hin, die selbst den späteren Goldfahrer Emanuel Perathoner aus Italien ins Schwitzen brachte. „Ich wusste, dass ich es kann“, sagte von Grünigen nach dem Rennen, die Stimme rau vom Wind und Adrenalin.
Die 0,81 Sekunden Rückstand auf Perathoner klingen nach viel, sind im Paralympics-Sport aber ein Wimpernschlag. Bronze ging an Australiens Ben Tudhope, der wie von Grünigen seine Kräfte aus der Rehabilitation schöpfte. Die Schweizer Delegierten jubelten, doch die Niederlage schmeckt trotzdem süß: Es ist die erste Medaille der Schweiz in dieser Disziplin seit Pyeongchang 2018.

Fahrni verpasst doppel-erfolg um einen atemzug
Während von Grünigen feierte, biss sich Aron Fahrni auf Rang fünf fast die Zunge ab. Der Emmentaler hatte im Snowboardcross bereits Bronze geholt und lag nach Lauf eins in der Kategorie SB-UL tatsächchlich auf Podestkurs. Doch im zweiten Durchgang verlor er 0,14 Sekunden – exakt die Differenz, die ihn von seiner zweiten Medaille trennte. „Ich hab alles rausgehauen, aber die Linie war ein Tick zu eng“, gestand er. Die Enttäuschung war ihm anzusehen, doch schon morgen geht’s im Slalom weiter.
Die Schweizer Snowboard-Equipe reist damit mit zwei Medaillen aus den italienischen Alpen ab – und mit dem Wissen, dass die nächste Generation bereitsteht. Von Grünigen klang nach dem Rennen wie jemand, der gerade erst warm geworden ist: „Das gibt mir nur mehr Motivation für die nächsten vier Jahre.“ Die Gehirnerschütterung ist Geschichte. Die Silbermedaille bleibt. Und die Konkurrenz hat gewarnt: Wer von Grünigen heute schlägt, muss morgen noch schneller werden.
