Von der super league zum kultfilm: urs althaus feiert 70 – und schießt noch einmal

Er wollte der Pelé der Schweiz werden, wurde zum Armani-Liebling, knallte Cocaine mit Andy Warhol und landete als Aristoteles im italienischen Kult-Kicker-Film. Jetzt, mit 70, packt Urs Althaus aus – und liefert die beste Sport-Story des Jahres.

Die schulter, die eine karriere zerbrach – und eine legende startete

17 Jahre, Nachwuchs des FC Basel, ein Jahr später Erstliga-Debüt für den FC Zürich. Dann rutscht er aus, Schulter raus, drei Operationen, fertig. „Ich habe geweint wie ein Kind“, sagt er der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera. „Aber das Schicksal hatte schon den nächsten Pass parat.“

Das Schicksal hieß Sergio Martino, Regisseur von „L’allenatore nel pallone“. Martino suchte einen Brasilianer, der fußballspielen kann. Althaus, geboren in Herrliberg, sprach perfekt Italienisch, beherrschte Samba und Zidane-Dribbling – und war sofort Aristoteles, den Traumstürmer der fiktiven Longobarda. Die Szene mit Lino Banfi, in der er Banfis Canà mit einem Fallrückziegel den Pokal schenkt, ging in die Filmgeschichte ein. „Dieser Film war ein Geschenk Gottes“, sagt Althaus. „Ich wurde der Fußballstar, den ich nie auf dem Platz sein durfte.“

Runway statt rasen: wie ein schweizer drittelangestellter die mode eroberte

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Nach dem Karriere-Ende stolperte er in die Model-Welt der 70er. „Ich hatte keinen Plan, was eine Catwalk ist“, lacht er. „Aber ich war 1,90 m, braun, und die Agenten sprangen mirauf.“ 1977 landete er als erster schwarzer Mann auf dem Cover der GQ – Bibel der Männermode. „Plötzlich war ich bei Valentino auf der Via Appia Antica zum Essen eingeladen, Armani sagte: ‚Nenn mich Giorgio und duz mich‘, und Yves Saint Laurent drückte mir die Hand, ohne dass ich ihn erkannte.“

Das Geld floss, die Partys auch. Eines Nachts bei Andy Warhol in New York kostet er das erste Mal Koks. „Dann kam Crack, und ich war fünf Monate obdachlos“, sagt er. „Ich habe in den Seitenstraßen von Manhattan geschlafen und gedacht: Wenn meine Mutter das wüsste.“ Der Ausstieg: Narcotics Anonymous. „Ich wollte wieder leben, nicht nur überleben.“

Pavarotti, der hund und die letzte halbzeit

Pavarotti, der hund und die letzte halbzeit

Althaus wohnte neben Luciano Pavarotti. „Er sang morgens seine Skalen, mein Hund bellte. Eines Tages sagt er: ‚Dein Hund stört mein Ritual.‘ Ich antworte: ‚Und Ihr Gesang meinen Schlaf.‘ Er lachte sich kaputt – und lud mich zur Pasta ein.“

Heute, mit 70, strahlt er noch immer wie ein 30-Jähriger, kämpft aber seit fünf Jahren gegen einen „bösartigen Mitbewohner im Körper“, wie er den Krebs nennt. „Ich trainiere jeden Tag, sehe jedes Spiel der Longobarda – natürlich nur die Highlights“, grinst er. „Und wenn mich jemand ‚Ari, Ari, Ari‘ ruft, weiß ich: Die 90 Minuten auf der Leinwand waren länger als jede Bundesliga-Karriere.“