Von der autobahn zur loipe: klaus jungbluth rodriguez' außergewöhnlicher olympia-weg

Von der autobahn zur loipe: klaus jungbluth rodriguez' außergewöhnlicher olympia-weg

Die Geschichte von Klaus Jungbluth Rodriguez ist alles andere als gewöhnlich. Vom Training auf der Autobahn in Ecuador bis zur Teilnahme an den Olympischen Winterspielen – der 46-Jährige verkörpert den olympischen Geist. Im Interview mit Sport1 erzählt er, wie er trotz fehlender Schneebedingungen seinen Traum verwirklichte und welche Ziele er sich für Mailand/Cortina 2026 gesetzt hat.

Ein traum aus ecuador

Für Jungbluth Rodriguez geht es bei Olympia weniger um Medaillen als darum, die Ziellinie zu erreichen – „ohne Stürze und Unfälle“. Seine Teilnahme ist ein inspirierendes Beispiel dafür, dass mit Beharrlichkeit und Ausdauer scheinbar unüberwindbare Hindernisse überwunden werden können. Er ist der Pionier des Wintersports in seinem Heimatland, wo Schnee eine Seltenheit ist.

Pyeongchang 2018: der erste schritt

Pyeongchang 2018: der erste schritt

Bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang war Jungbluth Rodriguez der erste Athlet aus Ecuador, der überhaupt an Winterspielen teilnahm. Über die 15 Kilometer Freistil belegte er Platz 108, mit einem Rückstand von knapp 20 Minuten auf den damaligen Olympiasieger Dario Cologna. Doch selbst der Schweizer gratulierte ihm, denn auch das Erreichen des Ziels war eine Leistung für sich.

Die rückkehr und eine besondere ehre

„Es ist ein sehr befriedigendes Gefühl, zum zweiten Mal hier zu sein“, so Jungbluth Rodriguez im Sport1-Interview. Er durfte erneut die Fahne seines Landes bei der Eröffnungsfeier tragen. „Das ist eine Belohnung für all die Opfer, die ich gebracht habe, und nicht nur ich, sondern auch die Menschen um mich herum“, betont er. Er möchte Ecuador wieder ins Rampenlicht rücken und zeigen, dass das Land fähig ist, Herausforderungen zu meistern.

Von gewichtheben zu rollerski

Seine sportliche Karriere begann Jungbluth Rodriguez ursprünglich mit Gewichtheben, musste diese aber aufgrund von Knieverletzungen aufgeben. Eine neue Herausforderung suchte er 2010 in Norwegen, wo er seinen Master in Sportpsychologie absolvierte. Dort entdeckte er das Rollerski. „Ich dachte mir, das könnte ich auch versuchen, denn in Ecuador gibt es keinen Schnee“, erinnert er sich.

Kampf um die startberechtigung

Ein großes Problem: Ecuador hatte keinen Wintersportverband. Jungbluth Rodriguez musste selbst aktiv werden, um die notwendigen Papiere zu beschaffen. „Wenn es keinen Wintersport-Verband gibt, muss das Olympische Komitee des jeweiligen Landes zustimmen, dass sie als solcher agieren und auf dem Papier ein Wintersport-Verband sind“, erklärt er. Erst 2015 erhielt er die Zustimmung.

Training unter extremen bedingungen

Das Training in Ecuador gestaltete sich schwierig. Jungbluth Rodriguez trainierte teilweise auf der Autobahn, da andere Straßen uneben waren. „Die einzige Zeit, in der sehr wenig Verkehr herrschte, war zwischen 4 und 6 Uhr morgens“, erzählt er. Er musste Schmerzen und Stürze in Kauf nehmen, um seinen Traum zu verfolgen.

Die erste erfahrung mit schnee

Rund vier Jahre vor Pyeongchang stand Jungbluth Rodriguez zum ersten Mal auf Skiern. Er reiste nach Schweden, um an einem Langdistanzrennen im Schnee teilzunehmen. „Ich war sehr unkoordiniert und hatte Probleme, das Gleichgewicht zu finden“, gibt er zu. Doch mit jedem Tag im Schnee fühlte er sich wohler und konnte seine Erfahrungen vom Rollerski übertragen.

Ein vorbild für ecuador

Seine Teilnahme an Olympia sorgte in Ecuador für Aufsehen. „Der erste Kommentar war: ‚Wie verrückt ist das denn? Du lebst in Ecuador und trittst im Schnee an‘“, lacht Jungbluth Rodriguez. Er beweist, dass man sich selbst keine Grenzen setzen sollte. Mittlerweile lebt er mit seiner Familie im Wallis in der Schweiz, wo er als Physiotherapeut arbeitet und das Training unter optimalen Bedingungen fortsetzen kann.

Ziele für mailand/cortina 2026

Für die Olympischen Spiele 2026 hat sich Jungbluth Rodriguez zwei Ziele gesetzt: „Ein besseres Ergebnis als 2018 zu erzielen, verglichen mit der Zeit des Siegers“ und das gesamte Erlebnis zu genießen, denn es werden „definitiv meine letzten Olympischen Spiele sein“. Er ist der einzige zweimalige Winter-Olympia-Teilnehmer aus Ecuador – ein Titel, der ihm sicher ist.