Vom u21-star zum bankdrücker: valencias vergessene talente
Vor 300 Tagen strahlten vier Valencia-Jungs in die Kamera der spanischen U21-Auswahl. Jetzt rächt sich das Sommermärchen von 2024.
Ein foto wird zur falle
Die RFEF hatte die Bilder von Diego López, Javi Guerra, César Tárrega und Cristhian Mosquera als Beweis für eine gelungene Jugendpolitik verbreitet. Trainer Santi Denia lobte durch die Blume: „Sie haben sich die Minuten hart erarbeitet.“ Tatsächlich waren alle vier in der Vorrunde Spieler des Spiels – ein Novum. Doch hinter dem PR-Glanz steckte schon damals ein Club, der um den Klassenerhalt zitterte.
Die Zahlen sind gnadenlos. Tárrega kam nach Kreuzbanddrama auf 1.786 Minuten, doch seit Januar ist er nur noch Ergänzungsspieler. Diego López brach nach acht Toren in der Vorsaison auf drei Treffer ein – 1.331 Minuten, viel Bank. Javi Guerra pendelte zwischen Startelf und Tribüne, seine 28 Einsätze (1.498 Minuten) wirken wie ein Kompromiss zwischen Not und Planlosigkeit. Keiner der drei wäre heute auch nur in die erweiterte Wunschliste von Luis de la Fuente gerutscht.

Mosquera entkam, die anderen bleiben hängen
Nur Cristhian Mosquera konnte aussteigen. Der 20-Jährige wechselte für 15 Millionen Euro zum Arsenal, wurde sofort Leihgabe-Kapitän der U21 und debütierte im März im A-Team. Für die verbliebenen Trio endet die internationale Karriere vorläufig in der Bedeutungslosigkeit. Valencia zahlte im Sommer hohe Gehaltsaufbesserungen, um sie zu halten – ein Invest, das sich bisher nicht amortisiert.
Der Nachschub versiegt. Vicent Abril sitzt als dritter Torhüter in der U21, weil der Athletic-Bilbao-Keeper Agirrezabala verletzt ist. Yarek Gasiorowski trägt zwar noch das Valencia-Logo im Pass, spielt aber schon beim PSV Eindhoven. In der Akademie von Paterna gibt es derzeit keinen neuen Mosquera, keine Spur von jener Generation, die einst Europa erbeben sollte.
Der Club steht mit 39 Punkten auf Rang 13, nur drei Zähler über dem Strich. Trainer Carlos Corberán schielt nach vorne, doch die Realität lautet: Valencia liefert keine Nationalspieler mehr. Das Foto von vor 300 Tagen ist kein Siegesbild, sondern ein Mahnmal für ein Projekt, das sich selbst überholt hat.
