Volkerts medaillen-fluch hält: deutsches para-team verpasst goldkurs
Lennart Volkert ist wieder nur Vierter. Beim 20-km-Freistil-Rennen in Tesero verpasst der 22-Jährige mit seinen Guides Nils Kolb und Robin Wunderle die erste Paralympics-Medaille um 12 Sekunden. Die Entscheidung fällt im Sprint, der Franzose Anthony Chalencon sichert sich Bronze.
Volkerts traum bleibt unerfüllt
Die Zielgerade ist leer, die Lautsprecher spiegeln seine Atemfrequenz wider. Volkert wischt sich Schnee aus dem Gesicht, sein Blick richtet sich auf die Anzeige: Rang vier. Wieder. „Ich habe alles rausgeholt“, sagt er, stimmlos. „Aber irgendwie reicht es nie.“
Der Deutsche hatte sich mit Kolb auf der ersten Hälfte fest bei Chalencon festgebissen, auf den zweiten zehn Kilometern übernahm Wunderle. Das Duo jagte die Franzosen, doch Chalencon blieb cool, fuhr 49,9 Sekunden schneller als Volkert. Gold geht an Joe Adicoff (USA), Silber an Oleksandr Kazik (UKR).
Volkert war in dieser Woche schon zweimal Vierter – im Biathlon-Sprint und in der Mixed-Staffel. Die Niederlage sitzt tiefer als die Kälte. „Man fragt sich schon, wann das Glück endlich auf meiner Seite ist“, sagt er leise.

Wicker schockt olympia-masters
Während Volkert trauert, jubelt Anja Wicker. Die 34-Jährige aus Halle surft auf einer Welle, die selbst Oksana Masters überrascht. Über 20 km jagt sie die US-Superstarin hinter Yunji Kim (KOR) auf Platz zwei. „Ich habe Masters gekocht“, lacht Wicker, „das ist mein bestes Rennen seit Langem.“
Nur 14 Monate ist sie im Langlauf aktiv, heute holt sie Silber. „Ich bin fix und fertig, aber das Podest ist der Beweis, dass Umwege auch Ziele sein können“, sagt sie, während ihre Stimme bricht.

Marchand schreibt geschichte – ohne edelmetall
Kathrin Marchand beendet ihre Paralympics als Zehnte der 20-km-Distanz, doch die Platzierung zählt kaum. Die Kölnerin ist die erste Sportlerin, die Olympia, Paralympics-Sommer und Winter bestreitet. Nach ihrer Aufgabe am Mittwoch wegen Kreislaufkollaps ist heute das Ziel einfach nur: ankommen.
„Ich habe geweint, ich habe gelacht, ich habe überlebt“, sagt sie. „Medaille oder nicht – ich bin Teil einer Geschichte, die größer ist als ich.“

Maier beendet mit silberregen
Marco Maier sammelt als Siebter keine weitere Medaille, aber er trägt vier davon im Gepäck. „Das waren die besten Spiele meines Lebens“, sagt er. Die Silber-, Bronzeflut ist dem 26-Jährigen gewidmet: seiner Mutter, die im Dezember starb. „Jede Zielgerade war ein Gespräch mit ihr“, sagt er. „Ich habe gewonnen, weil sie zuhört.“

Schnee statt slalom-gold
Alexander Rauen startet als Neunter in den zweiten Slalom-Lauf, doch die Medaillen sind weit weg. Die Piste in Cortina gleicht einer Zuckerwatte, nach Nachtschnee musste der Start um eine Stunde verschoben werden. „Wir konnten uns nicht einfahren“, sagt Rauen. „Die Lötterie hat uns erwischt.“
Die deutschen Para-Athleten verlassen Italien ohne Gold, aber mit Geschichten, die länger halten als Metall. Die nächste Chance? Peking 2030. Volkert blickt nach vorn: „Ich bin noch jung. Und ich habe noch Rechnungen offen.“
