Vize-weltmeisterinnen vor em-sprung: sieg gegen slowenien reicht

Am Sonntag um 15.30 Uhr schlagen in der heimischen Halle 8.000 Herzen im Takt. Die deutschen Handballerinnen stehen vor dem EM-Ticket, und Nina Engel spürt schon den Adrenalinstich: „Vor heimischer Kulisse ist es deutlich cooler.“

Hinspiel als mahnung, nicht als garantie

30:23 in Celje – klar, aber vergessen. Slowenien kam mit jugendlichem Rückhalt, spielte phasenweise mit drei Rückraumdamen und trotzdem nur sieben Tore hinten. Bundestrainer Markus Gaugisch warnte vor Selbstzufriedenheit: „Die Gegnerinnen haben sich umgestellt, ihre Kreisläuferin Žabjek zieht jetzt decoy-läufig die Deckung auseinander.“ Die deutsche 3-2-1-Deckung muss also früher umschalten, sonst drohen Lücken zwischen Kreis und Halbposition. Das klingt technisch, ist aber der Unterschied zwischen früher Qualifikation und nervigem Play-off.

Kristina Dramac schleuderte im Hinspiel sieben Tore, doch Viola Leuchter konterte mit sechs Treffern aus dem Rückraum und setzte gleichzeitig die Nachhol-Forderung: „Wir haben Bock, die nächsten Schritte zu gehen.“ Der nächste Schritt heißt: Dezember in Schweiz/Italien/Spanien – die EM. Deutschland geht als Vize-Weltmeister ins Turnier, doch das Label klebt locker. „Wir tragen es, aber wir fressen es nicht“, sagt Kapitänin Alina Grijseels. Ihre Message: Rang zwei war Gestern, morgen zählt Rang eins.

Zahlen, die lügen nicht

Zahlen, die lügen nicht

Die Statistik spricht klar: Seit 2018 hat Deutschland alle fünf EM-Quali-Heimspiele gewonnen, Durchschnittstorunterschied plus 8,4. Slowenien kassierte in denselben Jahren in fremden Hallen immer mindestens 27 Gegentore. Wenn Deutschlands 63-prozentige Wurfquote aus dem Hinspiel auch nur annähernd Bestand hat, ist die Partie nach 45 Minuten gelaufen. Die Frage bleibt: Wer spielt sich in den Scheinwerfer? Lena Degenhardt ist als Rechtsaußen Favoritin auf die Top-Scorer-Rolle, doch links hinten wartet Dinah Eckerle auf den Durchbruch – sie fischte zuletzt 14 Bälle gegen die Niederlande und will den EM-Kaderplatz endgültig festnageln.

Die Arena in Magdeburg ist ausverkauft, 1.200 slowenische Fans reisen mit, die deutsche Fangruppe „Black-White-Red“ probte schon gestern den „Olé“-Chor. Für Engel, Grijseels und Co. ist das kein Lärm, sondern Treibstoff. „Wenn die Masse pfeift, versteckt sich keiner mehr“, sagt Engel. Gemeint ist: Jeder will den Ball, jeder will das Tor, jeder will das Ticket.

Klingt nach Theater? Ist es auch. Nur mit einem Unterschied: Am Ende steht kein Vorhang, sondern ein Schlusspfiff, der die Koffer Richtung Süden öffnet. Und wer dann noch zögert, verpasst nicht nur das Spiel, sondern die ganze Show.