Visa-desaster vor wm: jamaikas vizemeister muss mit altstars und u20-kids antreten
Mount Pleasant reist mit einer halben Mannschaft nach Kalifornien. Zehn Profis des jamaikanischen Vizemeisters wurden am Dienstag an der US-Grenze abgewiesen – darunter auch die geballte Haitianer-Fraktion. Was als Champions-Cup-Kracher gegen LA Galaxy gedacht war, mutiert zum Flickenteppich-Team.
Die regel, die niemand kannte
Die FIFA hatte Haitis Nationalspieler offiziell von Einreisebeschränkungen befreit, doch der CONCACAF Champions Cup fällt nicht unter diese Kategorie. Das ergab sich erst, nachdem die Delegation am Sonntag in Montego Bay Richtung Los Angeles startete. Resultat: 18 statt 28 Koffer, fünf Jugendspieler, sieben Haitianer ohne Stempel. Sportdirektor Paul Christie schäumt: „Wir wollen hier nicht Tourist spielen, wir wollen Siege holen. Dafür braucht man aber elf erwachsene Profis.“
Trainer Theodore Whitmore muss nun auf eine Mischung aus Altstars, die gerade noch einen gültigen US-Visa-Sticker im Pass haben, und Kids setzen, die vor zwei Wochen noch in der U20-Liga kickten. Die Startelf wird vermutlich zwei 17-Jährige beinhalten – ein Experiment, das selbst im karibischen Fußball Seltenheitswert hat.

Der wm-countdown tickt laut
Der Vorfall wirft einen Schatten auf das Sommerturnier. Sollte sich die US-Behörde auch im Juli so restriktiv zeigen, droht ein Chaos mit möglicherweise mehreren WM-Kadern, die erst am Tag vor Eröffnung komplett sind. CONCACAF schweigt bislang, doch intern kursiert bereits das Stichwort ‚Notfall-Pool‘: Reserve-Spieler, die auf Abruf in Kanada bereitstehen, falls erneut Visa durchfallen.
Für Mount Pleasant geht es jetzt um Prestige und Preisgeld. Der Klub verdient rund 300.000 US-Dollar nur fürs Erreichen des Achtelfinals – Geld, das in Jamaikas Liga einen Jahresetat sichert. Ohne die zehn Leistungsträger ist der Coup so wahrscheinlich wie Schnee in Kingston. Die Quoten der kalifornischen Buchmacher sprangen innerhalb von zwei Stunden von 3,2 auf 9,5 für einen Auswärtssieg.
Die Galaxy-Fans planen bereits ein „Welcome to the Show“-Feuerwerk, während sich Whitmore in der Nacht auf den Matchtag mit Whatsapp-Sprachnotizen durch die Hotelkorridore schickt: „Jungs, vergesst die Namen auf den Rücken. Zeigt, wer wir sind.“ Ob das reicht, wird sich in 90 Minuten zeigen – und ob CONCACAF endlich Regeln liefert, die auch Menschen mit Pass verstehen.
