Vier deutsche jagen den college-traum – march-madness-halbfinale mit deutschland-block
0,4 Sekunden trennen UConn von der Sensation, vier deutsche Namen trennen sich vom größten Amateur-Titel der Welt. Seit gestern Nacht steht fest: Indianapolis bekommt ein Halbfinale mit deutschem Einschlag – und die Chance, dass erstmals seit Niels Giffey und Leon Tolksdorf wieder ein Deutsch-Trio die Larry-O’Brien-Trophy der Colleges stemmt.
UConn gegen Illinois, danach Michigan gegen Arizona. Klingt nach USA pur, ist aber ein Stück Bundesliga auf Speed: Ivan Kharchenko, Eric Reibe, Dwayne Koroma und Malick Kordel haben sich in die Start-fünf der besten 68 Teams gebohrt. Vier Deutsche, vier Geschichten, ein Ziel: Montag, 70.000 Fans, ein Korb, ein Traum.
Kharchenko zieht den karren – und die familiengeschichte nach
Der Guard lief beim 79:64 gegen Purdue 37 Minuten nonstop, warf 18 Punkte, holte 8 Rebounds und spielte sich damit in die Starting-Five von Tommy Lloyd. Sein Vater Alexander holte 1972 Gold für die Sowjetunion, Ivan selbst wurde mit 16 jüngster Bundesliga-Debütant der Bayern. Der Wechsel nach Tucson war kein Auswandern, sondern ein Aufstand: „Ich will spielen, nicht nur dabei sein“, sagte er nach dem Viertelfinale, Schweißperlen auf der Stirn, NIL-Deal im Rücken.
Bei UConn sitzen gleich zwei deutsche Joker auf der Bank. Eric Reibe räumt mit 2,16 Metern das Zonen-Defense-Regal ab, Dwayne Koroma liefert von außen die Energie. Gegen Duke war Reibe sieben Minuten auf dem Parkett, Koroma schaute von der Bank – und trotzdem: Beide wissen, dass eine Einwechslung reicht, um eine Karriere zu katapultieren. Die 0,4 Sekunden vor dem Buzzer-Beater? Da saß die ganze Bank inklusive Reibe mit zitternden Knien.

Kordel wagt den sprung aus der handball-halle
Malick Kordel spielte bis vor vier Jahren noch Handball in Oberhausen. Dann kam Corona, die Halle zu, der Freiplatz – und ein 2,18-Meter-Typ mit Mutter Regine als Bundesliga-Veteranin im Nacken. 13 Kurzeinsätze in Ann Arbor, durchschnittlich 4,3 Minuten. Klingt nach Statistikmüll, ist aber die Visitenkarte für den nächsten Wagner: Moritz und Franz ließen in Michigan ihre Fußspuren, Kordel will ihnen in die NBA-Sneaker steigen.
Die Bilanz der deutschen Sieger liest sich wie ein Who-is-Who der Basketball-Diaspora: Magnus Pelkowski 1987, Christian Ast 1991/92, Henrik Rödl 1993, Niels Giffey und Leon Tolksdorf 2014. Seitdem zehn Jahre Pause – zu lange für ein Land, das in der NBA mittlerweile Starter stellt. Die vier Kandidaten von 2025 tragen nicht nur Trikots, sie tragen Nachholbedarf.
Am Samstag startet der deutsche Tag in Indianapolis. Kharchenko trifft auf seine Landsleute, Kordel auf die Zukunft. Wer am Montag den Korb trifft, der trifft auch die Geschichte – und vielleicht die NBA-Scouts direkt hinter dem Zeitmessgerät. Die 70.000 im Colts-Stadion werden brüllen, die vier Deutschen werden lauschen. Und wenn dann die Sirene ertönt, zählt nur noch ein Name auf dem Spielberichtsbogen – egal, ob er 37 Minuten oder 4,3 Sekunden steht.
