Vfb stuttgart provoziert dfb und dfl mit ultimatum vor ministerkonferenz
Kurz bevor die Innenminister auf Norderney zuschlagen, schmettert der VfB Stuttgart den Vorstoß für eine zentrale Stadionverbots-Kommission. Klubchef Alexander Wehrle schickte ein Papier an DFB und DFL, das die Pläne der Politik auf die Kippe stellen kann.
Der Ton ist rau. „Grundlegende Anpassungen“ seien „auf den letzten Metern“ nötig, schreibt Wehrle in dem Schreiben, das dem kicker exklusiv vorliegt. Gemeint ist: Stuttgart will die Entscheidung über Stadionverbote weiter vor Ort belassen – und weigert sich, eine übergeordnete Fachaufsicht mit Macht zu Einzelfalleingriffen zu akzeptieren.
Warum wehrle die macht der länder beschneiden will
Die Innenminister Reul (NRW) und Schuster (Sachsen) hatten die Verbände erst am Wochenende öffentlich gedrängt, endlich eine zentrale Kommission aufzusetzen. Ihr Argument: Nur so seien bundesweit einheitliche Standards möglich. Doch genau das lehnt der VfB ab. „Eine (Neu-)Bewertung von Einzelfällen durch die Fachaufsicht halten wir für problematisch“, heißt es in dem Brief. Die Begründung: Vor Ort sitze die Expertise, nicht in einer Fernkommission.
Wehrle beruft sich auf Urteile des Bundesgerichtshofs und des Bundesverfassungsgerichts, die eine konkrete Einzelfallprüfung verlangen. Aus Sicht des VfB führt jeder zentrale Eingriff zur „Delegitimierung der an den meisten Standorten gut funktionierenden Praxis“. Die Drohung der Minister, künftig Vereine für Polizeieinsätze zur Kasse zu bitten, nennt der Klub indirekt „unverhältnismäßig“.

Der vfb fordert ein gegengewicht zur politik
Statt Zentralisierung plädiert Stuttgart für eine plural besetzte lokale Kommission, in der Sicherheitskräfte, Fanbeauftragte und Veranstaltungsmanager sitzen. Die geplante Fachaufsicht solle sich auf „Monitoring“ beschränken – also prüfen, ob die Klubs ihre Hausaufgaben machen, aber nicht selbst Verbotsbescheide erlassen.
Der Zeitpunkt ist brisant. An diesem Donnerstag treffen sich die Sportminister in Norderney. Dort wollen DFB und DFL ihren Entwurf für die neue Kommission präsentieren. Sollte der VfB-Vorstoß Zuspruch bei den anderen 35 Erstligaclubs finden, könnte die Politik mit leeren Händen dastehen.
Die nächste Runde im Ringen um Sicherheit und Fanrechte steht bevor. Wer nachgibt, entscheidet sich womöglich erst auf der Zielgeraden.
