Versicherungswesen im sport: mehr als nur absicherung – ein strategischer pfeiler?

Spanien erlebt einen beispiellosen Aufschwung im Bereich der Sport-Sponsoring-Verträge, und das Versicherungswesen hat sich dabei als überraschend starker Player etabliert. Mit einem Investitionsvolumen von 40 bis 50 Millionen Euro jährlich sind Versicherungsunternehmen nicht nur ein notwendiger Bestandteil für die Absicherung von Athleten und Fans, sondern auch ein strategisches Werkzeug, um Vertrauen aufzubauen und Kunden zu gewinnen.

Ein markt mit 334 aktiven verträgen

Die Zahlen sprechen für sich: Laut Intelligence 2P existieren derzeit 334 aktive Sponsoring-Verträge im spanischen Sportsektor. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung von Versicherungen als Partner für Sportorganisationen und -veranstaltungen. Der organische Zusammenhang ist offensichtlich: Ob ein Fußballverein, ein Tennisturnier oder ein Musikfestival – eine zuverlässige Versicherung ist unerlässlich, um Risiken zu minimieren und die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten.

Doch es geht um mehr als nur um die reine Absicherung. Versicherungsunternehmen erkennen, dass der Sport eine ideale Plattform bietet, um mit einer loyalen und offen für Markeninteraktionen empfänglichen Zielgruppe in Kontakt zu treten. Attraktive Angebote, exklusive Erlebnisse und die Chance auf Gewinnspiele sind dabei beliebte Instrumente, um die Kundenbindung zu stärken.

Die Bandbreite der beteiligten Versicherer ist enorm. Von Spezialisten für Krankenversicherungen bis hin zu Anbietern von Policen für Hausrat und Fahrzeuge – das Feld ist breit gefächert. Namen wie Cofidis, Mutua Madrileña und Reale sind feste Größen in der Sportwelt, wobei Reale beispielsweise als Sponsor des Basketballteams von Real Madrid und gleichzeitig als Anbieter von Krankenversicherungen agiert.

Occident führt das Feld mit beeindruckenden 26 Sponsoring-Deals an und zeigt eine starke Präsenz nicht nur im Sport, sondern auch in der Kultur, beispielsweise als Sponsor des Museo Reina Sofía und verschiedener Musikfestivals. Asisa und Mapfre folgen dicht auf den Fersen mit jeweils 22 Verträgen. MGS Seguros setzt auf eine breite Basis und unterstützt acht Klubs der LaLiga und der Liga F, sowie den Valencia Basket und den Estudiantes.

Langfristige partnerschaften und die dominanz des fußballs

Langfristige partnerschaften und die dominanz des fußballs

Die Reife dieser Sponsoring-Kategorie spiegelt sich in einer langfristigen Planung wider. Die durchschnittliche Vertragslaufzeit beträgt 3,27 Jahre, wobei einige Unternehmen wie Sanitas, Asisa und Zurich bereits seit über einem Jahrzehnt als treue Partner von Real Madrid, Levante UD und dem Maratón de San Sebastián fungieren. Besonders stabile Partnerschaften entstehen bei Sportarten mit hoher mediale Aufmerksamkeit, wie Fußball und Basketball, auf die 61 bzw. 47 Verträge entfallen.

Der mutua madrid open und die tennisszene

Der mutua madrid open und die tennisszene

Ein besonderes Highlight ist die Partnerschaft von Mutua Madrileña als Hauptsponsor des Madrid Open, die mit einem Investitionsvolumen von über 5 Millionen Euro jährlich verbunden ist. Im Tennissport entbrennt ein regelrechter Wettbewerb zwischen den Versicherungsunternehmen. Neben Mutua Madrileña engagieren sich auch Occident beim Barcelona Open Banc Sabadell und Generali, die die Federación Española de Tenis nach jahrelanger Zusammenarbeit mit Mapfre übernommen hat. Das zeigt eine deutliche Verlagerung der strategischen Schwerpunkte.

Nationaler fokus vs. club-bindung

Nationaler fokus vs. club-bindung

Pelayo, nach dem Ausstieg bei der spanischen Fußballnationalmannschaft, setzt nun verstärkt auf die ACB, um seine nationale Reichweite zu erhalten. „Wir haben uns gefragt, ob Sponsoring überhaupt noch die richtige Strategie ist, aber für eine Marke wie unsere, die landesweit agiert, ist die ACB die bessere Wahl“, erklärt Emma Ruiz de Azcárate, Marketingleiterin von Pelayo.

Ähnlich verhält es sich bei Asisa, das seine Aktivitäten auf den Basketball konzentriert, um seine Produkte mit einem gesunden Lebensstil zu verbinden und gleichzeitig eine breite regionale Abdeckung zu gewährleisten. „Es gibt eine natürliche Verbindung zwischen unserem Geschäft, der Gesundheit, und dem Sport, die es uns ermöglicht, unsere Versicherungsprodukte mit den Sponsoring-Aktivitäten zu verknüpfen“, betont Carlos Eiroa, Werbeleiter von Asisa.

Differenzierung und aktivierung

Während der Fußball weiterhin mit einem Anteil von 65 % die größte Investition in Spanien darstellt, suchen andere Marken nach Nischen wie Laufsport oder die Unterstützung von Verbänden. Divina Seguros und Allianz beispielsweise engagieren sich im Bereich des Volkslaufsports. Adrian Martínez von Divina Seguros betont, dass Sponsoring ein Differenzierungsmerkmal darstellt: „Es hilft, sich von der Masse abzuheben, und erfordert die Suche nach einzigartigen Elementen.“

Zurich, als Titelsponsor mehrerer Marathons, reserviert Startplätze für seine Kunden, die sich über die begehrten Plätze freuen. Divina Seguros kombiniert Sponsoring mit Performance-Kampagnen, um die Ergebnisse zu optimieren. Die Strategie ist klar: Sponsoring muss nicht nur Aufmerksamkeit generieren, sondern auch messbare Ergebnisse erzielen – sei es durch Leads, Verkäufe oder eine gesteigerte Markenbekanntheit.

Die Versicherungsbranche hat erkannt, dass Sport-Sponsoring mehr ist als nur ein Marketing-Gag. Es ist eine Investition in Vertrauen, Kundenbindung und langfristigen Erfolg. Die Zahlen sprechen für sich, und die Zukunft verspricht weitere spannende Entwicklungen in dieser dynamischen Partnerschaft.

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