Varfolomeev: "plötzlich bin ich eine der ältesten" – em-ambitionen und neue choreografien

Varna fiebert der bevorstehenden EM im Rhythmusischen Sportgymnastik entgegen. Und mitten im jungen Feld der Athletinnen fühlt sich Darja Varfolomeev, die amtierende Olympiasiegerin, plötzlich ungewohnt alt. Die 19-Jährige, die mit ihren historischen Erfolgen als jüngste Gymnastin die Sportwelt begeisterte, blickt nun auf eine neue Phase in ihrer Karriere.

Die reife des erfolgs: mehr als nur jugend

Varfolomeevs Entwicklung ist beeindruckend. Es ist nicht mehr nur das Talent einer jungen Athletin, sondern die Reife einer Sportlerin, die gelernt hat, mit Druck umzugehen und ihre Leistung zu steuern. "Wenn man auf Olympia zurückblickt, da war ich ein sehr kleines Mädchen, das das alles gar nicht so richtig verstanden hat," gesteht sie im Gespräch mit SWR Sport. "Jetzt komme ich schon mit erwachsenen Gedanken zum Wettkampf. Ich weiß, wofür ich das mache und was ich dafür geben muss."

Diese neue mentale Stärke ist ein entscheidender Vorteil. Doch es gibt auch Herausforderungen. Die Verantwortung, als eine der erfahrensten Gymnastinnen zu gelten, lastet schwer. "Einerseits ist das toll, weil viel Mädels zu mir kommen und sagen: 'Du bist mein Vorbild, ich lerne viel von dir.' Andererseits ist das schon eine krasse Veränderung," so Varfolomeev.

Neue choreografien, neuer schwung

Neue choreografien, neuer schwung

Um ihre EM-Ambitionen zu untermauern, hat Varfolomeev ihre Choreografien überarbeitet. Nach der legendären Michael-Jackson-Choreografie mit dem Ball präsentiert sie nun eine neue Übung zu Elonoir's Song "Wrong Party". "Ich mag meine neue Ballübung, das ist voll mein Style," schwärmt sie. "Es hat von Anfang an eher etwas Langsames und Lyrisches. Ich kann diese Musik einfach gut fühlen und mit den artistischen Bewegungen das Gefühl an die Zuschauer weitergeben."

Auch ihre Keulen-Übung hat sich gewandelt. Mit dem Social-Media-Hit "Dame un GRRR" sorgt sie für ausgelassene Stimmung. Varfolomeev bringt sich zunehmend in den Entwicklungsprozess ein: "Wenn ich einen Schritt nicht fühle, dann sage ich schon, können wir was anderes machen, damit ich ruhiger werde und meine Routine machen kann."

Neuer modus, neuer druck

Neuer modus, neuer druck

Die EM in Varna bringt eine weitere Neuheit mit sich: Im Mehrkampf bestreiten nur noch die besten zehn Athletinnen das Finale mit Keulen und Band. Dieser neue Modus erhöht den Druck enorm. Varfolomeev weiß das: "Man denkt natürlich schon viel nach, was wäre wenn?" Doch sie konzentriert sich auf das Wesentliche: "Ich glaube, jede Übung kann man retten oder zumindest versuchen, das Beste rauszuholen."

Die Europameisterschaft ist für Varfolomeev nicht nur ein wichtiges Turnier, sondern auch ein wichtiger Schritt in der Vorbereitung auf die Heim-WM im August in Frankfurt. Die Konkurrenz ist groß, aber die Olympiasiegerin ist bereit für die Herausforderung. Mit ihrer Erfahrung, ihrem Talent und ihrer neuen Reife will sie in Varna zeigen, dass sie auch weiterhin zu den besten Gymnastinnen der Welt gehört.