Van der poels revanche kommt ohne pogacar: e3-sprint gegen die eigene statistik

Mathieu van der Poel tritt heute in Harelbeke an, als wäre nichts gewesen. Drei Wochen nach dem Platzen seines San-Remo-Traums darf er in der E3 Saxo Classic wieder auf die eigene Unsterblichkeit setzen – und dabei eine Zahl korrigieren, die ihm seit Monaten in den Ohren klingelt: drei. So viele Siege hintereinander kann niemand vom aktuellen Feld verzeichnen, weder Van Aert noch Pedersen, geschweige denn Pogacar, der morgen woanders radelt.

Warum 208 km und 19 hellinge heute mehr sagen als jede wetter-app

Die Strecke ist kein Geheimrezept, sie ist ein offener Brief an die Beine. Wer nach 185 km noch zögert, wird auf dem Paterberg erinnert, warum Fabian Cancellara hier einst mit 53×11 durchriss. Van der Poel kennt die Zahlen: 2.800 hm, elf Kopfsteinpassagen, zwei Mal Kwaremont, zwei Mal Paterberg. Die Kombination zwingt selbst WorldTour-Motoren in den anaeroben Graben, und genau dort hat der Niederländer in den vergangenen zwei Jahren seine Gegner abgehängt – mit Angriffen, die wie Fehlzündungen wirken, weil niemand mitziehen kann.

Doch diesmal steht ein Däne vor der Startaufstellung, der seine Frühform nur kurz unterbrochen hat. Mads Pedersen fuhr in Kuurne-Brüssel-Kuurne 60 Sekunden lang ein Ein-Mann-Roulette und gewann trotz Zeitstrafe. Sein Trainer beteuert, die Formkurve sei „noch nicht oben“, was für die Konkurrenz klingt wie eine Drohung in Fremdsprache. Pedersen kann auf flachen Passagen Windloch fahren, was Van der Poels größte Waffe – den platten Endspurt – relativiert.

Die rechnung hinter dem fehlenden pogacar

Die rechnung hinter dem fehlenden pogacar

Tadej Pogacar feiert morgen seine Ardennen-Premiere, 180 Kilometer südlich. Für die E3 bedeutet das: kein Ritt mit der Handbremse, keine 400-Watt-Fragezeichen, keine Showdown-Physik auf dem Kwaremont. Die Buchmacher reagierten innerhalb von Minuten: Van der Poels Siegquote fiel von 3,2 auf 1,9. Die Statistik dagegen warnt: Seit 2015 gewann nur ein Favorit mit Startnummer 1 – und das war… Van der Poel 2023.

Die Logik der Saison spricht für ihn. Er gewann Omloop, zwei Etappen im Tirreno, die Form ist nicht geschönt, sie ist erprobt. Die Sturz Blessur von San Remo? Ein Kratzer, kein Riss, sagt sein Mechaniker, der am Donnerstag bis 23:07 Uhr noch neue Carbon-Felgen montierte – 5 mm breiter, für extra Grip auf nassem Kopfstein.

Wer sonst noch die stunde mitbestimmt

Wer sonst noch die stunde mitbestimmt

Jasper Stuyven hat die Nase voll, stets Zweiter, stets mit dem Gesicht einer Schuldüberschrift. Biniam Girmay will die belgischen Monolithen endlich mit 70 km/h ins Ziel bringen, statt wie 2022 mit dem Gepäck der Hoffnung auf dem Asphalt zu landen. Und dann ist da noch Stefan Küng, dessen Zeitfahrmaschine auf den flachen Passagen 15 km/h schneller ist als jedes Hinterrad, das je auf Pflaster rollte. Er braucht nur eine Lücke – und die entsteht meistens, wenn Van der Poel das Tempo kurz senkt, um sich die Beine zu schütteln.

Um 14.00 Uhr fällt der Startschuss, Eurosport überträgt live. Die ersten 100 km gleichen einem Schattenboxen: Alle starren auf den Schweizer Obergiff, alle warten auf den Niederländer, der wie üblich erst einmal hinten fährt – um sich dann 60 Kilometer vor dem Ziel in die Wolken zu schalten. Die Frage ist nicht, ob er angreift, sondern ob jemand die Antwort kennt.

Die E3 ist kein Generalprobe, sie ist eine Kampfansage an die eigene Zukunft. Wer heute gewinnt, trägt zwei Wochen später in Flandern das Rote Nummernschild. Und Van der Poel? Er hat die Rechnung schon im Kopf: Drei Siege hier, zwei Monate bis Roubaix, eine Saison, die endlich wieder nach seinem Namen klingt.