Van der poel schlägt zu neun tagen vor mailand-sanremo erneut zu

Ein Schauer, ein Sprint, ein Schlag: Mathieu van der Poel fegt auch auf der vierten Etappe der Tirreno-Adriatico durch die Zielgerade und lässt Wout van Aert und Filippo Ganna alt aussehen. Zweiter Tagessieg, dritter Saisonsieg – und ein Machtwort Richtung 21. März.

Die spitzengruppe zerfetzt sich im kopfwind

213 Kilometer zwischen Tagliacozzo und Martinsicuro, die letzten 40 flach, aber mit einem ständigen Seitenwind, der die Gruppe aufreißt wie ein Reißverschluss. Van der Poel sitzt in der letzten Runde hinter dem Zug von Alpecin-Deceuninck, springt 350 Meter vor dem Ziel aus dem Radschatten von Giulio Pellizzari und drückt die Kurbel durch, als wäre das Band aus Gummi. Pellizzari wird Zweiter, van Aert fünfter, Ganna neunter – das Podest der Prestige, aber die Show gehört dem Niederländer.

Die Uhr stoppt bei 4:51:32 Stunden, die Durchschnittsgeschwindigkeit jenseits der 43 km/h. Die Zuschauer am Straßenrand sehen nur noch ein orangefarbenes Flimmern, dann ist alles vorbei. Im Ziel lacht van der Poel, aber seine Augen schießen sofort zum nächsten Termin: Mailand-Sanremo, neun Tage, 291 Kilometer, Poggio, Via Roma.

Die gesamtwertung kippt in der letzten sekunde

Die gesamtwertung kippt in der letzten sekunde

Ein Blick auf die weiße Jersey: Mexikos Isaac del Toro verliert das Trikot, weil er die Zielbonusse verschenkt. Pellizzari schnappt sich zwölf Sekunden gut und liegt nun zwei Sekunden vor dem Mexikaner. Primoz Roglic folgt mit 21 Sekunden Rückstand – ein Psychokampf, der erst am Sonntag in San Benedetto del Tronto endet. Tadej Pogacar? Fehlt. Der slowenische Doppel-Giro-Sieger bereitet sich anderswo auf die Primavera vor, aber die Frage bleibt: Wer stoppt van der Poel auf dem Poggio?

Der Niederländer selbst scherzt im Flash-Interview: „Ich weiß nicht, ob ich der Favorit bin, aber ich fühle mich frisch.“ Frisch genug, um nach dem zweiten Tagessieg bereits den dritten Saisonsieg einzufahren. Fünf Rennen, drei Siege – eine Quote, die selbst Remco Evenepoel neidisch macht.

Die streckenposten packen schon die trikots für sonntag ein

Die streckenposten packen schon die trikots für sonntag ein

Am Freitag geht’s nach Mombaroccio, 184 Kilometer mit zwei Anstiegen der dritten Kategorie. Die Streckenposten haben die Schilder umgedreht, die Menge wird dünner, aber die Spannung wächst. Wer am Sonntag die blaue Zeitfahr-Jackett trägt, wird im Kopf schon den Via-Roma-Sprint visualisieren. Van der Poel hat die Bilder im Kopf – und die Beine, um sie wahr werden zu lassen.

Die 61. Tirreno-Adriatico endet mit einem Einzelzeitfahren. Für van der Poel ist es ein Test, für seine Rivalen eine letzte Chance. Die Saison ist jung, aber die Signale sind eindeutig: Wer in Italien gewinnt, der darf in Sanremo träumen. Und träumen darf derzeit nur einer laut.