Ballack packt aus: löws schweigen verletzt noch heute

Sechzehn Jahre sind vergangen, doch Michael Ballacks Stimme zittert noch einmal. In der Sky-Doku „Meine Geschichte“ bricht der einstige DFB-Kapitän das Schweigen über seinen unrunden Abschied – und liefert eine Kampfansage an Joachim Löw.

„Ich hätte mir eine offene kommunikation gewünscht“

Die Szenerie ist simpel: ein Studio, ein Beamer, ein Gespräch. Doch hinter Ballacks Sätzen schlummert der ganze Frust einer ganzen Fußball-Generation. „Ich fand die ganze Sache nicht rund“, sagt er und meint damit den Sommer 2010, als er sich kurz vor der WM in Südafrika das Sprunggelenk verdrehte und anschließend nie mehr für Deutschland auflief.

Der damalige Bundestrainer Joachim Löw habe ihm nicht einmal die Chance auf ein Comeback gegeben, kritisiert Ballack. Stattdessen übernahm Philipp Lahm das Kapitänsamt – und behielt es. „Das sind Werte, die ich nicht vertrete“, so Ballack. Der Respekt vor zehn Jahren Leistung hätte ein Gespräch im Quadratmeter-Format verdient gehabt: „Offen und ehrlich. Ins Gesicht.“

Löw ließ es nicht dazu kommen. Ballack: „Er hat es durchlaufen lassen – wissend.“ Ein Satz, der klingt wie ein Handschlag, der nie zustande kam. Bis heute habe es kein klärendes Gespräch gegeben, bestätigt der heute 49-Jährige. „Für mich war das enttäuschend.“

Lahm war nicht allein – aber löw hätte eingreifen können

Lahm war nicht allein – aber löw hätte eingreifen können

Philipp Lahm erklärte noch während der WM, das Armband nicht mehr abgeben zu wollen. Ballack sieht darin keinen Soloakt, sondern eine Kette aus Unterlassungssünden. „Es war kein Alleingang Lahms“, sagt er, „Löw hatte die Feder in der Hand.“

Die Zahlen sprechen für sich: 98 Länderspiele, 42 Tore, drei WM-Teilnahmen. Dann kam der Sprung in einem Zweikampf mit Kevin-Prince Boateng – und plötzlich war Schluss. Ohne Ehrenrunde, ohne Abschiedsspiel. „Ich bin nicht nachtragend“, betont Ballack, doch die Lücke in seiner Vita bleibt. Bei zufälligen Begegnungen mit Löw sei das Thema tabu – „kein Thema“, wie er sagt. Die Wunde aber ist spürbar, wenn auch vernarbt.

Für die Fans ist der Vorfall längst zur Metapher geworden: für Machtspiele im DFB-Betrieb, für Kommunikationsversagen in Anzügen, für die Frage, was Ehre im Profifußball noch wert ist. Ballack selbst arbeitet heute als TV-Experte, doch wenn er über Topspiele spricht, hallt still der Satz mit: „Ich hätte mir gewünscht, dass man mir das ins Gesicht sagt.“

Die WM 2010 endete mit einem dritten Platz für Deutschland. Ballack schaute vom Sofa. Sein Abschied blieb unrund – und wird es wohl für immer bleiben.