Van der poel gegen pogacar: 298 km kalk und asphalt bis zur legende

Um 10.10 Uhr brannte die Ampel in Pavia auf Grün, und 298 Kilometer später wird jemand auf der Via Roma in Sanremo Geschichte schreiben. Entweder Mathieu van der Poel dreht das Triple, oder Tadej Pogacar stoppt die Erzählung und nagelt die letzte weiße Flecke an sein imaginäres Trikot des Unmöglichen.

Die strecke ist ein kreuzweg der erinnerung

Neun Kilometer länger als 2024, aber die letzten 25 nie verändert: Turchino, drei Capi, Cipressa, Poggio. Das reicht, um Beine zu zerbrechen und Seelen zu öffnen. Nach 150 flachen Kilometern entlang der Aurelia schlägt das Rennen erst wirklich ein – die Manie-Steigung bleibt diesmal außen vor, dafür warten die Wellen des Ligurischen Meeres als willkommene Abkühlung.

Van der Poel fuhr hier zweimal den perfekten Angriff, einmal 2023, einmal 2025. Pogacar hingegen trägt noch kein Dreieck auf der Brust, nur eine Obsession. Sein Telefon speichert jedes Jahr die gleiche Notiz: „Sanremo = fehlt noch“. Die Frage ist nicht, ob er kann, sondern ob er es schafft, bevor der Niederländer wieder weg ist.

Versteckte fallen jenseits der favoriten

Versteckte fallen jenseits der favoriten

Filippo Ganna kennt die Zielgerade wie den Madonna del Ghisallo-Abzweig. Zweimal Zweiter, einmal kurz vor dem Jubel weggeschoben. Seine Zeitfahrmaschine wird heute auf 60 km/h gedrosselt, aber im Poggio-Keil kann er die Schiene selbst aufmachen. Dazu Isaac Del Toro, der Mexikaner mit dem spanischen Namen und dem italischen Killerinstinkt – er wird 23 Jahre alt und hat nichts zu verlieren außer der Unbekanntheit.

Jasper Philipsen will beweisen, dass Sprint nicht gleich Sanremo-Aus bedeutet, und Tom Pidcock schielt auf die Abfahrt, wo er mit 80 Sachen Kurven schnittelt, als wären sie Papier. Das Problem: Am Poggio zählt nur noch Körpergewicht gegen Schwerkraft.

Die Wetterkarten zeigen 18 Grad und leichten Südwest, genug, um das Feld auseinanderzupusten, nicht genug, um zu sprengen. Die taktische Faustregel lautet: Wer vor dem Poggio fährt, fährt zu früh. Wer hinterher wartet, wartet aufs Photo-finish. Die Uhr wird zwischen 16.37 und 17.14 Uhr stehen bleiben – und ein Name darunterstehen, den wir künftig in Granit meißeln.