Rießelmann bleibt: kickers emden rudert ohne ausgliederung in den sturm
Der Plan platzte, der Mann bleibt. Henning Rießelmann wird auch nach dem zweiten Nein des Amtsgerichts Aurich die Geschicke des BSV Kickers Emden lenken – ohne Ausgliederung, ohne Extraloch in der Kasse, dafür mit dem Rückenwind von Vorstand und Fans.
„Wer jetzt aufgibt, hat hier nichts verloren“
Die Ansage kam am Donnerstagabend, knapp, klar, bewusst ohne Pathos. „Wir machen weiter“, schrieb der 43-Jährige auf der Vereinshomepage und schickte eine Kampfansage an alle, die sich schon aus dem Staub machen wollten. „Unabhängig davon, ob es irgendwann doch noch zu einer Ausgliederung kommt oder nicht.“ Ein Satz, der im Vereinslokal an der Flutgracht für aufgeatmete Kellner und zustimmendes Gemurmel sorgte.
Die Richter hatten die Ausgliederung abgelehnt, weil die Satzung zu viele Lücken offen lässt. Für Rießelmann bedeutet das: Weiterarbeiten mit altmodischen Werkzeugen. „Kleinere Brötchen backen“ nennt er das, obwohl der Ofen schon seit Jahren auf Höchsttemperatur läuft. Budgets werden gestrichen, Etats neu kalkuliert, Sponsorengespräche auf Sommer vertagt. Der Klassenerhalt steht über allem, das hat der Manager den Spielern in der Kabine eingetrichtert. Wer sich nicht mit diesem Minimalziel anfreunden kann, darf gehen.

Emmerling-zukunft offen, transferplan läuft trotzdem
Stefan Emmerling spürt den Druck. Seit sechseinhalb Jahren trainiert der Ex-Bundesligaprofi die Kickers, doch sein Vertrag läuft aus. Gespräche laufen, verriet Rießelmann, „mit Ruhe und Sorgfalt“. Das klingt nach Verlängerung auf Abruf. Emmerling selbst schweigt, konzentriert sich auf die letzten Pflichtspiele. In der Regionalliga Nord liegt Emden zwei Punkte über dem Strich, die Luft wird dünn.
Die Scout-Abteilung arbeitet dennoch weiter. Junge, hungrige Spieler stehen auf der Liste, einige mit Zweitliga-Erfahrung, andere direkt aus der U 23. Die Leihgeschäfte der Bundesligaklubs sind trockengelegt, daher schielt Rießelmann auf Talente aus dem Norden, die sich bei Verbands- und Oberligisten versteckt halten. „Wir müssen kreativer werden“, wiederholt er wie ein Mantra. Kreativ bedeutet: Spieler, die bereit sind, auf Extrazahlungen zu verzichten, dafür aber Spielzeit garantiert bekommen.
Die Fans haben bereits eine Spendenkampagne gestartet. 18.000 Euro sind bisher zusammengekommen, genug für zwei Monatsgehälter. Rießelmann nennt das „Rückendeckung pur“. Er selbst verzichtet auf einen Teil seiner Prämie, das Beispiel macht Schule. In der Kurve hängt ein Spruchband: „Ausgliederung oder nicht – wir stehen zum Klub, nicht zur AG.“
Am Freitag steht das Auswärtsspiel bei Eintracht Norderstedt an. Drei Punkte würden den Abstand zur Abstiegszone vergrößern, die Luft für Sommerplanungen würde dicker. Rießelmann wird auf der Tribüne sitzen, Handy in der Hand, Notizblock auf dem Knie. Kein Milliarden-Deal, kein Investoren-Turbo – nur Fußball pur. Und vielleicht ist das gerade der Grund, warum er geblieben ist.
