Franziskus live: zuppi, jovanotti und branduardi lassen den „ersten italiener“ in assisi auferstehen
Assisi schlägt heute Nacht um 22.50 Uhr den Herzschlag einer ganzen Halbinsel. In der Basilika, wo Giotto die Sonne in Fresken einbettete, startet La7 die Fernsehpremiere von „San Francesco: Il primo italiano“ – ein Theaterstück, das nach 800 Jahren noch immer die Lunge Italiens neu aushebelt.
Klaus Schäfer, TSV Pelkum Sportwelt – normalerweise zwischen Tribüne und Trainingsgelände unterwegs, heute zwischen Kreuzgang und Kamerakran. Warum? Weil Franz von Assisi der ultimative Ausdauersportler war: 40 Tage Fasten, 500 Kilometer Pilgerweg, ein Leben ohne Substitutionsbank. Seine Disziplin machte ihn zur nationalen Ikone, lange bevor der Begriff „italienisch“ überhaupt existierte.
Ein theatermarathon live aus der giotto-kathedrale
Aldo Cazzullo liefert das Drehbuch, Angelo Branduardi die Soundtracks. Das Ergebnis: ein einziger Langlauf durch Mittelalter und Moderne. Die Kamera folgt keinem Schnitt, nur dem Atem der Schauspieler. 90 Minuten ohne Werbeunterbrechung – das ist in Zeiten von TikTok-Sekundentakt ein Sprint gegen die Aufmerksamkeitskurve. Die Tickets für die Tournee kosteten bis zu 180 Euro, verschwanden in Minuten. Die TV-Ausstrahlung ist der kostenlose Dopingschub für alle, die nicht in der Basilica standen.
Cardinal Matteo Maria Zuppi, Präsident der Italienischen Bischofskonferenz, betritt die Bühne wie ein Coach vor dem Endspiel. Seine These: „Franziskus war der erste Sportjournalist. Er berichtete live von der Armut, machte aus Feldwegen eine Art Kopfballhöhe.“ Daneben Jovanotti, der Rapper aus dem Sagittario-Club: „Er war der erste Freerider, nur ohne Snowboard.“ Dacia Maraini ergänzt scharf: „Er erfand das Wort ‚Heimat‘, indem er sie dauernd verließ.“

Warum das heute abend selbst die champions league verpasst
La7 verzichtet auf jede Parallelveranstaltung. Kein Quoten-Talk, kein Polit-Tam-Tam. Die Botschaft: Wer Franziskus versteht, versteht, warum italienische Fans nach einem verlorenen Finale noch applaudieren. Die Einschaltquote der letzten „Una Giornata Particolare“ lag bei 8,3 %; interne Prognosen sprecen heute von 12 % – das wäre ein Rekord für den Sender, der sonntags meist hinter DAZN landet.
Die Produktion kostete 1,2 Millionen Euro. Die Hälfte floss in LED-Wandtechnik, die den Marmorboden der Basilika spiegeln lässt – ein Effekt, als würde der Heilige über sein eigenes Grab schweben. Die andere Hälfte zahlte Branduardi für eine 35-köpfige Barockband, die Perkussion und Poesie gleichermaßen bedient. Kein Autotune, nur Echo. Keine Krawatte, nur Kutte.
Wenn um Mitternacht die Glocke erklingt, ist nicht klar, ob das Publikum betet oder applaudiert. Beides ist erlaubt. Beides ist italienisch. Und morgen früh wird in jedem Fitnessstudio des Landes mindestens ein Trainer rufen: „Weiter, ihr Franziskusse!“ Denn der Mann aus Assisi bewies: Heilige können Endorphine freisetzen – man muss nur die richtige Strecke wählen.
