Undav lacht, trifft, fordert: stuttgarts lach- und tor-maschine
Deniz Undav scherzt, bis der Ball zappelt. Beim 5:2 in Augsburg erzielt er zwei Tore, legt das fünfte auf – und erklärt sich kurzerhand zum Anwärter auf Harry Kanes Stammplatz. Die Pointe folgt im nächsten Satz: „Nur Spaß!“ Doch dahinter steckt ein Bundesstürmer, der gerade jeden Gegner zum Lachen in die Krise treibt.
Stuttgarts Angreifer traf in den letzten sechs Partien mindestens einmal, summiert sieben Treffer. 18 Liga-Tore stehen nun in seiner Saison-Statistik, dazu sechs Vorlagen. Die Zahlen sprechen lauter als seine Witze – und sie sprechen für eine Startelf-Karte im Nationaltrikot.
Flick bekommt ein luxus-problem serviert
Hansi Flick wird Ende März seine Aufstellung gegen Peru und Belgien bekanntgeben. Auf der Liste steht derzeit Niclas Füllkrug, neben ihm Serge Gnabry, Leroy Sané und Timo Werner. Undav? Noch ein Randname, aber einer, der sich mit jedem Tor in Richtung Mitte der Skizze bewegt. „Ich will spielen, egal wo“, sagt der 29-Jährige, „wenn ich spiele, versuche ich zu glänzen.“
Seine Anlagen sind klar: Undav bewegt sich zwischen den Linien wie ein Boxer, der die Lücken sieht, bevor sie entstehen. Gegen Augsburg tauscht er kurz vor dem 3:0 die Seiten mit Demirovic, lockt die Innenverteidigung raus, spielt quer, läuft weiter, kassiert die Rückgabe – Tor. Kurz darauf der Lupfer zum 4:1. Keine Kraftaktion, sondern ein Schachzug.
Stuttgarts Trainer Sebastian Hoeneß kann sich ein Grinsen nicht verkneifen: „Deniz hat diese Mischung aus Humor und Gier. Wenn er nach dem Training noch fünf Minuten Doppelpass spielt, dann weil er die Tore liebt – und nicht, weil ich es sage.“

Kane und kimmich können beruhigt sein – oder?
Die Anspielung auf Kapitänsbinde und Torjägerkrone bleibt Satire. Undav weiß, dass Harry Kane mit 31 Treffern die Bundesliga dominiert. Er weiß auch, dass Joshua Kimmich die Führungsrolle in der Nationalmannschaft innehat. Aber er weiß vor allem eins: Seine Formkurve zeigt steil nach oben, und Flick liebt Spieler, die heiß laufen statt heiß reden.
Die WM in Kanada rückt näher, das Kontingent an Stürmerplätze ist begrenzt. Undav liefert Bewerbungsunterlagen im Minutentakt. Gegen Augsburg hätte er fast einen Hattrick erzielt, scheiterte bei einem Volley aus 14 Metern noch am Pfosten. „Können wir bitte nochmal von vorne spielen?“, scherzte er beim Abpfiff mit dem Schiedsrichter. Der lachte – und zeigte stattdessen auf den Mittelkreis. Dort wird Undav in den nächsten Wochen wieder stehen, bereit, die nächste Pointe zu liefern. Diesmal vielleicht in Schwarz-Rot-Gold.
