Mainz dreht auf: fischer zügelt den jubel, nebel schießt die retter weg

7 Tage, 3 Siege, 1 Schlagwort: Atem. Nach dem 2:1 gegen Eintracht Frankfurt rückt der FSV Mainz 05 im Abstiegskampf die Rettung in Reichweite – doch Urs Fischer wehrt sich gegen Selbstzufriedenheit. „Geschafft ist gar nichts“, sagt der Schweizer, während Paul Nebel mit einem Doppelpack (6./89.) die Europa-League-Träume der Hessen zerdrückte.

Ein sieg, der mehr ist als drei punkte

Der Knoten ist geplatzt. Zuerst der Befreiungsschlag in Bremen, dann das historische Conference-League-Auswärtstor gegen St. Gallen, nun die späte Provinzrevanche gegen Frankfurt. Der Mainzer Fanblock tobte, die Mannschaft sank auf den Rasen – und Fischer? Blieb auf der Bank, verschränkte die Arme, als wäre dies nur ein Trainingsspiel. „Wenn es rechnerisch durch ist, können wir feiern. Vorher nicht.“ Die Kappung der Euphorie ist Programm, denn die Saison ist noch ein Satz mit vielen Nebensätzen.

Die Zahlen sprechen dennoch eine klare Sprache: Sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, ein Spiel weniger als der FC St. Pauli, dessen 1:2 gegen Freiburg direkt nach Mainzer Schlusspfiff durchs Funkenstadion schwappte. Die Länderspielpause kommt wie ein Handtuch, das man einem schwitzenden Boxer entgegenhält. Atem – endlich.

Nebel wird zum blitz, frankfurt zur statistikkorrektur

Nebel wird zum blitz, frankfurt zur statistikkorrektur

Frankfurt war eigentlich der Europa-Anwärter, Mainz der Abstiegskandidat. Am Ende vertauschten die Rollen wie in einem schlecht geschriebenen Drehbuch. Omar Marmoush hatte noch den Ausgleich markiert, doch Nebel, 21 Jahre, 1,81 Meter, aus dem eigenen Nachwuchs, schlug zweimal zu – einmal nach Ecke, einmal nach Konter. „Er hat das Spiel gemacht“, sagt Fischer knapp. Was niemand laut sagt: Der Verkauf von Nebel wäre im Sommar wohl millionenteuer gewesen, jetzt dürfte der Preisschild noch einmal nach oben geschraubt werden.

Intern schürft der Club bereits: Hoffenheim wartet nach der Länderspielpause, dann folgt das Viertelfinale der Conference League gegen Straßburg – ein Doppelpack, der die Saison entweder in goldene Bahnen lenkt oder wieder in den alten Abstiegsstaub. Fischer betont, dass die Mannschaft „ihrer Linie“ treu bleiben müsse. Gemeint ist: kein Zurück zur Nervosität der Vorrunde, kein Überschwang nach drei Siegen.

Die Fans feiern trotzdem. In den Kneipen am Bruchweg klingelt um 19:13 Uhr das Handy des Wirtes: „St. Pauli verliert!“ Die Bestellung lautet auf Nachschlag: noch ein Fass. Die Stadt atmet – aber nur kurz. Denn Fischer hat schon wieder das nächste Spiel im Kopf. Solange die Rechnung nicht aufgeht, bleibt die Party im Trainingsanzug.