Abby steiner klagt gegen puma und mercedes – „die schuhe zerstörten meine karriere“
Die frühere Leichtathletik-Weltmeisterin Abby Steiner wirft zwei Giganten der Sportindustrie schwere Versäumnisse vor: In einer historischen Klage vor dem US-Bundesgericht in Massachusetts beschuldigt sie Puma und Mercedes-AMG, sie durch fehlerhafte Spikes absichtlich in Gefahr gebracht zu haben. Die 25-jährige Sprinterin sieht ihr Lebenswerk in Trümmern – und will mit dem Rechtsstreit nicht nur Schadenersatz, sondern auch ein Signal setzen.
Die schuhe, die alles kaputtmachten
Die gemeinsam von Puma und Mercedes entwickelten Sprintschuhe seien „defekt und unsicher“, heißt es in der Klageschrift. Carbonplatten und Nitro-Schaum sorgten für eine unnatürliche Lastverteilung, die Steiners Füße und Sprunggelenke zermürbten. „Diese Technologie veränderte meine Laufbewegung“, sagt sie. „Ich spürte, wie sich mein Körper auflöste.“
Was wie ein High-Tech-Traum klang – Formel-1-Know-how trifft Leichtathletik –, endete für die einstige Goldhoffnung der USA in einer Serie von Muskelfaserrissen, Sehnenentzündungen und schließlich dem Karriere-Stop im August 2025. Der Vertrag mit Puma, noch 2022 mit hohen sechsstelligen Summen verlängert, mutiert zumGrabstein ihrer Laufbahn.

Puma weist jede schuld zurück – doch die branche zittert
Puma reagiert umgehend: „Wir weisen jegliche Behauptung, dass unsere Performance-Produkte Verletzungen verursachen, entschieden zurück.“ Das Unternehmen betont, alle Schuhe erfüllten internationale Sicherheitsstandards. Doch intern ist man laut Insidern alles andere als entspannt. Steiners Klage könnte als Präzedenzfall dienen – und die ohnehin umstrittene Carbon-Welle im Spitzensport ins Wanken bringen.
Experten wie der Biomechanik-Professor Klaus Peham sehen das Problem seit Jahren: „Wenn Stabilität für Leichtigkeit geopfert wird, zahlt der Athlete den Preis.“ Die Kombination aus ultrasteifer Platte und weichem Schaum erzeuge eine Peitschenbewegung, die Achillessehne und Fußwurzel auf Biegen und Brechen fordere.

Ein milliardenmarkt steht auf dem prüfstand
Der globale Markt für Performance-Schuhe boomt – allein 2025 wurden über 4,3 Milliarden Dollar umgesetzt. Hersteller pushen immer dünnere Sohlen, immer aggressierende Kurven. Doch die Geschwindigkeit hat ihren Preis: In den vergangenen drei Jahren stieg die Zahl der Stressepisoden in der Diamond League um 23 Prozent, wie Daten des Weltverbands zeigen.
Steiners Fall könnte nun die rechtliche Basis für Hunderte ähnlicher Fälle liefern. Bereits kursieren in Athleten-Chatgruppen Screenshots von Whatsapp-Nachrichten, in denen sich Betroffene zusammenschließen wollen. „Wenn wir jetzt nicht aufstehen, werden wir morgen alle laufen wie Roboter – bis uns die Gelenke flöten gehen“, schrieb eine US-Starterin.
Die persönliche bilanz: gold, geld – und ein gebrochener körper
Für Abby Steiner bleibt neben den Schmerzen vor allem die Frage: War es das wert? Zweimal Weltmeisterin, einmal College-Rekord, vier Jahre absolute Weltspitze. Dazwischen fünf Operationen, unzählige Reha-Einheiten, ein Körper, der mit 25 das Abschiedskapitel schreibt. „Ich habe Puma vertraut, weil ich schneller werden wollte“, sagt sie. „Am Ende war ich nur noch schnell kaputt.“
Das Gerichtsverfahren wird voraussichtlich Ende 2026 verhandelt. Sollte Steiner gewinnen, dürfte die Branche ihre Innovationsstrategien überdenken – und Athleten endlich wieder mitentscheiden, womit sie ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Der Sieg wäre ihr letzter Sprint. Und vermutlich ihr wichtigster.
