Lesser über spitzensport-agentur: "hoffnung, aber kein geldverbrennen"

Erik Lesser schiebt seine Stimme nicht in den Wind. Der Ex-Biathlon-Weltmeister und heutige ARD-Experte hält sich bedeckt, wenn er über die neue Spitzensport-Agentur in Leipzig spricht. „Ich hoffe, dass es der richtige Weg ist“, sagt er – und meint damit: Noch steht nichts fest.

Der Entwurf für das Sportfördergesetz ist durch das Kabinett, die Milliarden sind locker gemacht, aber die Stimmung bleibt kratzig. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) fühlt sich ausgebootet, Athletenvertreter klagen über fehlende Mitsprache, und Leipzig? Leipzig ist noch längst nicht in Stein gemeißelt.

Frankfurt pocht, leipzig wartet

Der DOSB sitzt in Frankfurt am Main und will dort auch bleiben. Kein Wunder, dass der Verband jetzt gegen die Standortentscheidung trommelt. „Keine Absprache“, heißt es intern, „Diktat“ klingt es zwischen den Zeilen. Die Agentur soll unabhängig werden, aber niemand will die Unabhängigkeit anderer aushalten.

Christiane Schenderlein, Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, nennt das Projekt einen „Meilenstein“. Sie spricht von Effizienz, Transparenz, Planungssicherheit. Doch hinter den Kulissen arbeitet ihr Haus an einer Imagekampagne, weil der Widerstand wächst – nicht nur bei Verbänden, sondern auch bei denen, die laufen, schwimmen, schießen: den Athleten.

„Wir wollen über athleten entscheiden, aber nicht mit athleten“

„Wir wollen über athleten entscheiden, aber nicht mit athleten“

Johannes Herber, Chef von Athleten Deutschland, sagt es so deutlich, dass es wehtut. Der Stiftungsrat der neuen Agentur bekommt kein verbindliches Athletenmandat, nur einen beratenden Beirat ohne Stimme. Das ist für Herber ein Schlag ins Gesicht. „Die Botschaft ist klar: Ihr seht die Medaillen, aber nicht die Menschen dahinter“, wettert er im ZDF.

Erik Lesser sieht das ähnlich. Er spricht von „Trial and Error“, von Experimenten, die sich Deutschland nicht mehr leisten kann. Die Medaillenbilanzen der letzten Spiele sind ein Albtraum: 10. Platz in Tokio, 7. Platz in Peking. „Wir brauchen keine neuen Büros, wir brauchen neue Konzepte“, sagt er. Und damit meint er: Wissenschaft statt Symposien, Daten statt Diktion.

Die basis bröckelt – und mit ihr der spitzensport

Die basis bröckelt – und mit ihr der spitzensport

Lesser schaut nicht nur nach vorn, sondern auch nach unten. In die Hallen, auf die Plätze, in die Vereine. „Wir haben zu wenig Kinder im Nachwuchs, zu viele überlastete Sportstätten, zu viel baufälliges Inventar“, zählt er auf. Seine Lösung klingt simpel, ist aber teuer: Kitas, Schulen, Vereine – alles muss attraktiver werden. Sonst wird aus der Agentur ein Schlaraffenland für Berater, aber kein Medaillenland für Deutschland.

Die Bundesregierung will 350 Millionen Euro locker machen in diesem Jahr. Der Bundesrechnungshof kritisiert seit Jahren, dass viel davon in Beraterberichte fließt, nicht in Betreuung. Die neue Agentur soll das ändern. Ob sie das schafft, entscheidet sich nicht in Leipzig, sondern im Bundestag – und auf den Sportplätzen dieses Landes.

Fazit: Die Agentur ist geboren, aber noch nicht gelaufen. Leipzig wartet, Frankfurt zögert, Athleten protestieren. Erik Lesser hat den Blick für das, was zählt: Wenn das Geld nicht ankommt, wo Sport gelebt wird, bleibt nur ein teures Schauspiel – mit leeren Podestplätzen.