Hoffenheim blockiert: datenskandal bleibt trotz gutachten heiß

Die TSG Hoffenheim wollte mit einem Gutachten den Datenverdampfer abdrehen. Vergeblich. Die baden-württembergische Datenschutzbehörde LfDI nimmt sich die Sache nun selbst vor und kann die Ruhe im Kraichgau jederzeit platzen lassen.

Warum das papier von professor paal nur rauch war

Professor Boris P. Paal bewertete die Weitergabe der Mitgliederliste als Kavaliersdelikt – „unterstes Sanktionsniveau“. Das klingt beruhigend, bindt aber null. Externe Gutachten sind für Aufsichtsbehörden maximal ein Lagepapier, kein Freispruch. Kein Wunder, dass LfDI-Chef Dr. Matthias Keber sofort Akten anforderte. Die liegen jetzt in Stuttgart, und dort liest man sie ohne Hoffenheimer Schönfärberei.

Der Vorwurf: Kurz vor der E-Vorsitzwahl sickerte eine Excel-Datei mit Namen, Adressen, Geburtsdaten. Empfänger: die eigene Spielbetriebs-GmbH. Zeitpunkt und Empfängerpattern lassen vermuten, dass man Wähler finden wollte, bevor Christoph Henssler abgelöst wird. Der Eindruck ist brisant, weil Dietmar Hopp Ende Januar dem Strafrechtsanwalt Dr. Heiko Hofstätter eine Blankovollmacht ausstellte. Wenige Tage später flog Marketing-Chef Tim Jost raus – unterschrieben von Hofstätter. Keiner erklärt bis heute, warum.

Mitarbeiter raus, prokura rauf – die personalverschiebungen danach

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Die Spur führt ins IT-Revier. Nach Josts Abgang bekamen exakt zwei Führungskräfte Prokura: Melanie Fichtner, zuständig für Daten und Systeme, sowie Technikdirektor Paul Pajduch, ein langjähriger Vertrauten von Andreas Schicker. Die beiden dürfen künftig alleine unterschreiben – auch für datenschutzrelevante Verträge. Die bislang für Hinweisgeber zuständigen Mitarbeiter Asmaham Gamgami und Arno Metz sind freigestellt und klaggen vor dem Arbeitsgericht Mannheim.

Die Kanzlei Freshfields, die den internen Prüfbericht erstellte, sieht die TSG sauer an: „Eine fundierte rechtliche Einschätzung liegt uns bis heute nicht vor.“ Stattdessen schaltete der Verein Legaltegrity dazu – nachdem Schicker die Hinweisgeberstelle neu organisierte. Ob Freshfields überhaupt noch alle Mails lesen durfte, steht offen.

Der LfDI prüft nun, ob die Mitgliedsdaten bewusst für Wahlfäuschung missbraucht wurden. Sanktionsrahmen: bis 20 Millionen Euro oder vier Prozent des Jahresumsatzes. Die neue e-Vorsitz-Doppelspitze aus André Kreuzwieser und Florian Beil feiert intern Zusammenhalt – draußen wartet ein Datenschutztsunami, der am Ende teurer ist als jede Transfersumme. Die Ruhe im Kraichgau ist eine Pause, kein Ende.