Ulreich rückt in die schusslinie: bayerns keeper-krise trifft leverkusen
Bayern-Trainer Vincent Kompany muss beim Topspiel in Leverkusen auf Manuel Neuer und Jonas Urbig verzichten. Die Folge: Sven Ulreich, 36, steht plötzlich wieder im Zentrum – und mit ihm die Frage, ob die Münchner ihre Torhüfer-Hierarchie zu früh umgedreht haben.
Gehirnerschütterung lässt urbig rauschen
Urbig erlitt beim 6:1 gegen Atalanta eine leichte Gehirnerschütterung, fiel am Donnerstag vollständig aus. Mediziner fordern 48 Stunden absolute Ruhe – kein Handy, kein TV, kein Sport. Eine Rückkehr für das Rückspiel am Mittwoch gilt als unwahrscheinlich. Ulreich wird also mindestens zweimal hintereinander Kompany’s letzte Bastion sein.
Die Personalie hat Symbolkraft. Vor einem Jahr hatte die Vereinsführung Ulreich degradiert, Urbig zur Nummer 2 hochgeordnet. Die Begründung: Nachwuchspotenzial und Spielpraxis. Nun kehrt der Alte zurück – und muss in der Arena, in der Bayern zuletzt 0:3 unterging, die Saison retten.

Verletzungspech als kontinuitätskiller
Die medizinische Abteilung arbeitet seit Wochen auf Sicht. Jamal Musiala fehlt mit Rückschlag, Alphonso Davies zerrte sich den Oberschenkel. Die Liste wird länger, die Rotation kürzer. Sportdirektor Max Eberl erinnert intern gern an das Inter-Exit 2025, das er „primär verletzungsbedingt“ verlor. Die Lehre: Risikomanagement vor Prestige.
Ulreich selbst nahm die Demotion ohne Murren hin, trainierte intensiver. Seine Auslaufzeit beträgt 90 Minuten seit Mitte Januar – genug, um die eigenen Reflexe zu wahren, zu wenig, um Rhythmus zu behalten. Gegen Leverkusen trifft er auf Florian Wirtz und Victor Boniface, die ihn in der Vorbereitung noch aus 16 Metern versenkten.
Notfallplan prescott bereits aktiv
Fällt auch Ulreich aus, rückt Leonard Prescott – 16 Jahre, 1,94 m, Schussfäuste wie Beton. Der Junioren-Europameister saß schon in Bergamo auf der Bank, ein Schritt, der in der Klubführung auf geteilte Reaktionen stößt. Einerseits Begeisterung über die Kühnheit, andererseits Sorge, ein Teenager vor 81 000 Zuschauern zu exponieren. Die Entscheidung liegt aber erst einmal bei Ulreichs Knochen und Urbigs Kopf.
Die Bayern reisen mit 17 Feldspielern nach Leverkusen, zwei Keepern und einer klaren Ansage: Gewinnen, um die Tabellenführung zu verteidigen, ohne danach wieder in die Krise zu laufen. Ulreich selbst sagt nur: „Ich bin bereit. Und bereit heißt: Ich spiele, als wäre es mein letztes Spiel.“
Leverkusen, Atalanta, dann Berlin – drei Spiele in sieben Tagen, drei Prüfungen für einen Mann, der eigentlich nur die Nummer 3 sein sollte. So schnell kann Fußball sein. So schnell kann eine Karriere wieder in Flammen aufgehen.
