Ulreich fällt aus, bayern steht ohne keeper da
Die Bayern sind pleite beim Personal, was sie sonst nur den Gegnern machen. In Leverkusen verlor Sven Ulreich nicht nur zwei Punkte, sondern auch seinen rechten Adduktoren-Muskel – ein Bündelriss, drei Torhüter weg, ein Rätsel auf dem Rasen.

Münchens notfallplan beginnt im schrank
Ulreich war die Notnagel-Lösung, jetzt fehlt auch er. Manuel Neuer schuftet noch an seiner Achillessehne, Jonas Urbig lahmt mit Syndesmoseband-Schaden. Wer hält am Mittwoch den Kasten gegen Atalanta? Die Antwort lautet: Daniel Peretz, 24, bisher dritter Mann und in der Bundesliga noch ohne Minute. Die Leihgabe von Maccabi Tel Aviv kassierte in der Regionalliga drei Gegentore pro Spiel – Champions-League-Atmosphäre wird anders klingen.
Vincent Kompany muss umdenken. Seine Idee, mit einem aufgerückten Keeper die erste Pressinglinie zu bilden, braucht einen Souffleur zwischen den Pfosten. Peretz spielt kurz, aber nicht so kurz wie Neuer. Die Statistik nagelt ihn fest: 1,11 erwartete Tore pro Schuss, ein Wert, der den Ball ins Netz segeln lässt, bevor er überhaupt fliegt.
Doch das Problem reicht tiefer. Die Bayern verpflichteten keinen Ersatz, weil sie auf Sommer warteten – auf den neuen, großen Neuer. Jetzt zahlen sie Lehrgeld für Planlosigkeit. Ulreichs Muskelbündel riss mit einem lauten Knall im Bayer-Auswärtstrakt, das Geräusch hallt bis nach München nach.
Die Königsküche kokettiert mit dem Namen Yann Sommer, doch der Schweizer lacht nur am Telefon. Er kennt die bayerischen Verletzungsfallen, hat sie selbst erlebt. Bleibt Peretz, bleibt ein 19-jähriges Eigengewächs namens Hugo Jurisch, bleibt die Frage, warum Europas reichster Klub keine zwei erfahrenen Schlussleute in der Hinterhand hält.
Die Antwort steht im medizinischen Bericht: drei Kreuze, kein Stützpunkt. Gegen Atalanta wird Kompany seine Mannschaft tiefer stellen müssen, weil hinter dem letzten Mann nur noch Luft ist. Ein Risiko, das in der K.o.-Phase nicht einfach wegtrainiert wird. Ulreichs Adduktorenriss ist kein Privatproblem mehr – er ist die Verletzung, die die Bayern entblößt.
