Ulm dreht 65:72 und schickt bonn mit blutender nase auf abstiegsstraße
Die Telekom Baskets verlassen die Arena mit 77:84, aber das Ergebnis lügt. Erst bei 65:72 in der 36. Minute schlug ratiopharm Ulm den Sekundenbruchteil lang zu. Dann zerlegte Justin Simon die Bonner Zone, traf zweimal von der Dreierlinie und servierte dem Seriensieger den zehnten Heimsieg.

Simon entzaubert bonn in 120 sekunden
Der Shooting Guard war mit 16 Punkten nur drittbester Ulmer, doch seine fünf Zähler in Folge gaben dem Spiel die Drehung. Jeff Garrett Jr. antwortete zwar mit 23 Punkten, doch seine Mitspieler verloren in der Schlussphase den Faden – und den vierten Tabellenplatz. Bamberg dankt, Würzburg jubelt: Die Playoff-Linie verschiebt sich um zwei Punkte nach oben.
Die Zahlen sind hart: Sechs Auswärtsniederlagen in Serie, 0,92 Punkte pro Besitz in den letzten fünf Minuten, zwölf Ballverluste gegen Ulms Pressing. Bonn war die klarere, schnellere Mannschaft – bis die Uhr auf 2:48 stand. Dann schaltete Ulms Coach Thorsten Leibenath auf Powerplay, stellte mit 1-2-2-Trapp das Tempo herunter und zwang Bonn zu vier misslungenen Isolationsaktionen.
Ulms Center Trevon Bluiett lachte nach dem Abpfiff trocken: „Wir wussten, dass sie müde sind. Sie haben drei Auswärtsspiele in sieben Tagen. Wir haben nur gewartet, bis sie Luft holen.“ Die Statistik bestätigt ihn: Bonn traf in den letzten 150 Sekunden nur noch einmal, Ulm viermal – alles aus dem Paint oder von der Linie.
Für die Ulmer ist es der vierte Sieg hintereinander, der fünfte Platz ist kein Zufall mehr. Die Defense springt, die Bank liefert 34 Punkte, und Simon hat offenbar einen Schalter gefunden. „Wir spielen nicht mehr für die Playoffs“, sagt er, „wir spielen für Heimrecht im Viertel. Bonn hat gezeigt, wie schnell man nach unten rutschen kann.“
Bonn muss am Samstag nach München, wo Bayern auf Revanche für die Pokalpleite brennt. Ulm reist mit Rückenwind nach Braunschweig – und mit der Gewissheit, dass sie die Mannschaft der Stunde sind. Die Saison ist noch lang, aber die Spuren im Tableau sind tief. Wer jetzt stolpert, fliegt raus. Ulm hat sich festgebissen.
