Uli und jogi hebel packen aus: wie beckham sie durch den eltern-tod rettete

Ein rotes Trikot war mehr als Stoff. Es war Rettung. Als Uli Hebel mit elf seinen Vater an Krebs verliert und zwei Jahre später auch seine Mutter, zieht er nicht die schwarhe Kleidung des Trauers an, sondern das knallrote David-Beckham-Trikot. Dieses Bild steht mitten in der Biografie der Hebel-Brüder – und erklärt, warum zwei Jungs aus dem Sauerland heute die gefragtesten Fußballstimmen Deutschlands sind.

Das buch beginnt mit einem todesfall und endet mit einem brief an den himmel

„Hoffentlich haben die TV im Himmel“ heißt das ungewöhnliche Fußballbuch, das seit Anfang März im Handel ist. Kein Standard-Werdegang, keine heldenhaften Siegesgeschichten. Stattdessen erzählen Uli und Jogi Hebel, wie der Verlust ihrer Eltern sie zu besseren Kommentatoren machte – sensitiver, schneller, unverblümter. Autor Kai Psotta lässt die Brüder in getrennten Kapiteln sprechen, nur um am Ende zwei Briefe zu veröffentlichen: Uli schreibt an den Vater, Jogi an die Mutter. Beide Briefe enden mit dem Satz: „Wir hoffen, ihr habt woanders besseren Empfang.“

Die Zahlen hinter der Geschichte sind gnadenlos: Vater Andreas stirbt mit 62 Jahren an Krebs, Mutter Gotelind mit 49. Die Brüder sind 13 und 11. Was übrig bleibt, ist ein altes Radio im Kinderzimmer und der Traum, eines Tages selbst das Tor von Real Madrid einzuleiten. Der Traum wurde Wirklichkeit, aber nicht ohne die Ikone aus Manchester. David Beckham wurde zum Ersatz-Vater, zum Spiegel, zur Therapie in Polyester.

Sechs trikots im trainingslager, ein autogramm und ein faustschlag ins schicksal

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2015 dann die Szene, die das Buch auf die Springer-Liste spült. Die Hebels besuchen das Trainingslager von Real Madrid in Österreich. Uli packt sechs Beckham-Trikots aus, Michael Owen schmunzelt, holt den Briten. Beckham signiert die Autobiografie, schreibt „Keep dreaming“ und fragt, warum ausgerechnet sechs Shirts. Uli antwortet: „Weil mein Dad nie sehen konnte, wie ich kommentiere. Jetzt mach ich seimal mehr Lärm für ihn.“

Heute sitzen die Brüder bei Sky und DAZN, aber sie verstecken nicht, dass sie vor jeder Übertragung noch immer ein altes Beckham-Trikot unter dem Kommentatorenpulli tragen. Jogi übernimmt Champions-League-Topspiele, Uli kümmert sich um Bundesliga-Konferenzen. Zwischen den Zeilen wird klar: Ihre Eltern fehlen nicht nur als Zuhörer, sondern als Korrektiv. „Wenn Dad unsere Sätze hören könnte, würde er sagen: ‚Kürzer, Jungs. Der Ball rollt schneller als eure Metaphern‘“, lacht Jogi im Interview.

Verlag Edel Sports druckte die erste Auflage mit 20 000 Exemplaren – nach drei Tagen war sie vergriffen. Die zweite folgt noch im März. Fußball-Fans kaufen das Buch nicht, weil es über Taktik oder Transfergerüchte berichtet, sondern weil es eine Antwort liefert auf die Frage, wie man weiterspielt, wenn das eigene Spielfeld zusammenbricht. Die Antwort lautet: Indem man das Mikrofon festhält und die Stimme nicht zittern lässt. 78 000 Follower auf Twitter bestätigen: Die Hebel-Brüder haben den besten Comma aller Zeiten erfunden – den zwischen Trauer und Transmission.