Türkei ein schritt vor der wm: calhanoglus traum brennt lichterloh
1:0 gegen Rumänien, 90 Minuten Herzklopfen – und jetzt steht die Türkei vor der Rückkehr auf die große Fußballbühne. Nach 24 Jahren WM-Abstinenz reicht am Dienstag im Kosovo ein weiterer Sieg, um das Ticket für 2026 zu lösen. Hakan Calhanoglu spricht schon vom „einzig verbliebenen Ziel“ seiner Karriere.
Montella spürt den druck – und spielt ihn herunter
Trainer Vincenzo Montella zog nach dem Halbfinale die Reißleine, bevor die Euphorie unkontrollierbar wird. „Ein Spiel entscheidet nicht über zwei Jahre Arbeit“, sagte er und schlug damit jeden Rücktrittsgedanken in den Wind. Die Frage eines rumänischen Kollegen, ob er bei einer Niederlage abdanken würde, beantwortete er mit einem scharfen Gegenangriff: „Machen Sie Ihren Job richtig, dann fragen Sie mich nicht nach hypothetischen Rücktritten.“
Die türkische Bank weiß: Der Gegner vom Dienstag ist kein Prügelknabe. Kosovo schied zwar in der Gruppenphase aus, überließ aber niemandem etwas. Die Statistik lügt nicht: In den letzten zehn Quali-Spielen kassierte die Türkei nur eine Niederlage – und die kam ausgerechnet im eigenen Stadion gegen den Balkan-Aufsteiger.

Calhanoglu jagt die legenden – und seine eigene geschichte
Mit seinem 103. Länderspiel gegen Rumänien schob sich der Kapitän auf Platz drei der Einsatzrekordler vor. Nur Rüstü Recber (122) und Hakan Sükür (114) sind noch vor ihm. Bei einer WM-Teilnahme würde er ihnen so nah kommen wie nie zuvor. „Ich spiele nicht für Zahlen, ich spiele für diesen Sommer in Kanada, Mexiko, den USA“, sagt Calhanoglu und klingt dabei fast schon wie ein Mann, der seine Karriere neu aufrollt.
Das 2002er-Traumteam stand im eigenen Land auf dem Podest – und wurde zur Generation, die jede folgende Nationalmannschaft maß. Wer jetzt in die Kabine tritt, sieht an der Wand ein riesiges Schwarz-Weiß-Foto von Rüstü, wie er den Bronze-Pokal über den Kopf stemmt. Die Botschaft ist lautlos, aber ohrenbetäubend: So weit wollt ihr wieder.
Montella hat die Spieler in dieser Woche mit GPS-Bändern trainiert, Herzfrequenz und Sprintwege laufen live auf seinem Tablet. Die Daten sagen: Die Mannschaft ist zwei Jahre jünger geworden, ohne das Trikot gewechselt zu haben. Durchschnittsalter 25,7 – das ist kein Zufall, sondern geplanter Umbruch.
Am Dienstag um 20:45 Uhr wird in Pristina nicht nur ein Ticket vergeben. Es wird die Frage beantwortet, ob eine ganze Fußballkultur nach einem Vierteljahrhundert wieder in die Weltspitze zurückkehrt. Die Antwort steht in Calhanoglus Knien, in Montellas taktischer Mappe – und in den Kehlen von 80 Millionen Türken, die sich schon jetzt den Sommer freinehmen.
Die Uhr tickt. Die Träume sind größer als je zuvor. Und die Rechnung ist denkbar einfach: Sieg = Weltmeisterschaft. Mehr Drama geht nicht.
