Turbine und viktoria stolpern: berliner frauenfußball verliert doppelt
Am Sonntag schlagen zwei Schlachten, zwei Niederlagen. Turbine Potsdam und Viktoria Berlin fahren mit leeren Händen aus dem Westen zurück – und hinterlassen im Tableau Brandenburgs riesige Fragezeichen.
Frühe treffer brennen ein
Beide Teams kassieren in der zehnten Minute das 0:1. Bei Viktoria trifft Julia Matuschewski für den SC Sand, bei Turbine verwandelt Anouk Blaschka einen Strafstoß. Die Muster sind identisch: Gegner übernehmen, Berlinerinnen finden keine Antwort. Kurz vor dem Halbzeitpfiff folgt das 0:2 – Potsdam kassiert durch Lea Mauly, Berlin durch Pija Reininger in der 45.+2. Die Seitenwechsel bringen keine Wende, nur kosmetische Korrekturen: Nina Ehegötz trifft für Viktoria in der 81., Amani Mahmoud für Turbine in der 77. – beide Tore kommen zu spät.
Die Zahlen sind hart: Turbine bleibt Zwölfter, weiter auf Abstiegsrang. Viktoria rutscht nicht aus dem oberen Drittel, bleibt Fünfter, doch die Lücke zu den Aufstiegsplätzen wächst. SC Sand springt sogar an Stuttgart vorbei, übernimmt die Tabellenspitze – ein Schlag ins Kontor für alle Berliner Hoffnungen.

Der abstiegskampf wird zur geduldsprobe
Für Turbine ist die Lage brisant: Seit Wochen kreisen die Brandenburgerinnen um den Abstiegsstrudel. Trainer Stephan Hain muss seine Abwehr neu justieren, denn 18 Gegentore in den letzten sieben Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Die Tordifferenz von minus 9 nagt am Selbstvertrauen. „Wir müssen endlich 90 Minuten auf Augenhöhe spielen, nicht nur 20“, sagte Mahmoud nach dem Schlusspfiff – und klang dabei selbst nicht überzeugt.
Viktoria wiederum hat das Gegenteil problem: Zu viele Unentschieden, zu wenige Siege. Die Berlinerinnen gewannen erst zwei der letzten acht Partien. Gegen Sand dominierte die Statistik nach Ballbesitz (58 %), nicht aber nach Toren. Trainer Thomas Gerstner sprach von „verpassten Chancen im Zentrum“, meinte aber auch: „Wir haben unsere Hausaufgaben nicht gemacht.“ Der Blick auf die Rückrunde wird ungemütlich: Union II und Hertha II schließen auf, der Druck steigt.

Der sound des scheiterns
48 Sekunden reichen der ARD-Audiodatei, um die Stimmung einzufangen: Jubel der Sand-Fans, ein kurzer Viktoria-Jubel nach dem Anschlusstor, dann wieder das verhaltene Gemurmel des Gästeblocks. Die Tonspur ist ein Spiegelbild der Saison: kurze Hoffnung, lange Ratlosigkeit. Für Turbine-Potsdam-Anhänger klingt das wie ein Déjà-vu – schon 2024 rutschte der Traditionsklub auf Platz 11 und rettete sich nur durch den Lizenzentzug einer Konkurrentin. Diesmal droht der direkte Abstieg, und die Konkurrenz schläft nicht.
Die Tabelle lügt nicht: Zwölf Punkte trennen Turbine von Platz zehn, nur neun Spieltage bleiben. Viktoria muss neun Punkte auf Rang drei aufholen, will aber mindestens die Relegation. Beide Klubs stehen vor dem selben Dilemma: Sie müssen gewinnen, haben aber das Gefühl, dass ihnen die Zeit davonläuft.
Am Horizont tut sich Woche für Woche wenig. Nächster Gegner für Viktoria: Eintracht Braunschweig, Tabellensechster, ebenfalls auf Playoff-Kurs. Turbine empfängt den Aufsteiger Borussia Mönchengladbach II – ein Sechs-Punkte-Spiel im wahrsten Sinne. Die Berliner Fußballfamilie blickt gebannt nach Brandenburg und zurück. Denn wenn beide Teams weiter stolpern, droht der Hauptstadtregion ein historischer Doppelabsturz. Die Saison ist erst im März, doch der Countdown läuft schon.
