Tuchel-england patzt in letzter sekunde: elfmeter-k.o. gegen uruguay
Die Three Lions hatten den Sieg in der Tasche, doch dann kam Valverde – und drehte die Partie mit einem späten Elfmeter um. 1:1 in Wembley, und plötzlich wirkt die einst so makellose Bilanz des Thomas Tuchel-Teams wie ein Scherbenhaufen.
Tuchel rotiert durch, uruguay trifft zu spät
Der neue Bundestrainer hatte angekündigt, experimentieren zu wollen. Er ließ es krachen: Kein einziger Akteur durfte gegen Uruguay vom 2:0 in Tirana auf dem Rasen bleiben. Elf Neue, elf Unbekannte – und lange Zeit auch elf Ideenlose. Die erste Stunde plätscherte vor sich hin, als wäre dies ein Testspiel gegen den Trainingspartner von Barnsley, nicht gegen den Copa-América-Sieger.
Die Wende? Ein Eckball. Cole Palmer schlägt ihn scharf auf den kurzen Pfosten, Harvey Barnes streckt sich, Ben White drückt aus kürzester Distanz zum vermeintlichen Lucky Punch. 81. Minute, 1:0 – Wembley atmet auf. Tuchel stemmt die Hände in die Hüften, so wie er es in München oft tat, wenn der Plan aufging.
Dann der VAR-Check. Maximiliano Araújo flankt, Mathías Olivera legt ab, Ignacio Viñas zieht ab – und trifft zwar nicht, aber Ben White trifft ihn. Jablonski schaut, entscheidet: Strafstoß. Federico Valverde läuert an der Punktmarke, wie er es im Supercopa so oft tat. Sein Schuss links unten, Jordan Pickford springt rechts. 90.+4, 1:1. Tuchel tobt, die englische Bank schlägt mit den Händen auf die Köpfe.

Die zahlen, die brennen
22:0 Tore in der Quali, acht Siege, null Gegentreffer – und jetzt das. Die Null ist weg, die Serie gerissen, die Aura angerissen. Für Tuchel ist das kein harmloses Remis, sondern eine Lektion in Sachen Konzentration. Seine Rotationsküche liefert Appetithappen, aber keine Vollkost. Die Rumpftruppe wirkte wie ein Orchester, das die Partitur nur einmal durchgespielt hatte. Die Automatismen fehlten, die Aggressivität auch.
Uruguay dagegen flog mit zehn Feldspielern aus Europa nach Montevideo und nimmt einen Punkt mit, der goldwert ist für die FIFA-Weltrangliste. Marcelo Bielsa lächelt kaum, aber er weiß: Seine Mannschaft hat Tuchel eine taktische Belehrung erteilt. Druck aufbauen, den Ball laufen lassen, die Räume eng machen – und dann den Gegner bestrafen, wenn er zittert.
Für England geht es am Dienstag nach Helsinki. Dort erwartet Tuchel ein finnisches B-Team, aber auch ein Wembley-Publikum, das sich fragt, ob die Three Lions ohne Kane, Saka und Rice auch wirklich zurechtkommen. Die Antwort liegt nicht in der Formation, sondern in der Kopfballstärke der letzten Sekunde. Gegen Uruguay fehlte sie – und genau das wird Tuchel in der Nacht in seinem Notizbuch ankreuzen. Keine Frage, nur Fakt: Die Null ist Geschichte, die Arbeit beginnt von vorne.
