Tuchel zieht england ins stolpern: remis ohne stars

Thomas Tuchel wollte Experimente, England kassierte den nächsten Reality-Check: 1:1 gegen Uruguay, drei Minuten vor dem Abpfiff noch der Elfmeter-K.o. durch Federico Valverde. Ein Auftritt, der selbst optimistische Three-Lions-Anhänger verstummen lässt.

Das tuchel-universum ohne galaxien

Kein Harry Kane, kein Jude Bellingham – dafür 35 Nominierte und zwei Debütanten, die sich gegenseitig auf dem Rasen suchten. James Garner bekam sein erstes Länderspiel im Zentrum, James Trafford zwischen den Pfosten. Beide sahen statt Spielglück nur Lücken. Bis zur 82. Minute lief der Ball quälend langsam, Uruguay ließ den Titelaspiranten kombinieren, schob aber jede Lücke zu. Dann Ben White, mit dem Spitzfuß aus 16 Metern – ein Schlenzer, der das 1:0 werden sollte.

Der Plan wäre fast aufgegangen. Fast. Doch Phil Foden taumelte nach einem Foul von Ronald Araújo vom Platz, Noni Madueke musste verletzt ausgewechselt werden. Die deutsche Leine wurde sichtbar schlaffer, das Mittelfeld verlor die Orientierung. In der Nachspielzeit grätschte Marc Guehi, Schiedsrichter Ortega zeigte sofort auf den Punkt. Valverde war eiskalt – 1:1, und die Wembley-Mauer schwankte.

Die qualifikation war makellos, das experiment blutet

Die qualifikation war makellos, das experiment blutet

England hatte die WM-Quali ohne Gegentor überstanden, die Statistik wirkte wie ein Schutzschild. Tuchel riss es herunter, um neue Daten zu sammeln. Die Lehre: Ohne Kane fehlt nicht nur die Klinke, sondern auch die Kompassnadel. Ohne Bellingham brummt kein Motor, nur das leise Stottern unerfahnerer Mittelfeldzellen. Die Null wurde geknackt, die Serie beendet – und der Trainer mit der Reputation des Taktik-Freaks steht jetzt vor der Frage, ob Mut und Rotieren in WM-Tagen nicht doch teurer sind als erhofft.

Zurück bleibt ein Kader mit 35 Namen, aber ohne Rhythmus. Die nächsten Testspiele rücken näher, die Gruppengegner bei der WM schauen bereits. Tuchel muss entscheiden: weiterspielen oder doch lieber wieder gewinnen. Die Uhr tickt, und die Sterne, die er aussparte, werden nicht jünger.