Tebas deckt nachwuchs-ass auf: „der sohn von balboa spielt wie ein senior“

Javier Tebas sitzt auf der Tribüne von Brunete, 30 Kilometer westlich von Madrid, und schmunzelt. Der LaLiga-Boss hat soeben gesehen, wie ein 17-jähriger Mittelfeldspieler des Real Madrid Futures das Feld dominiert – und das in einem Turnier, das eigentlich den U-21-Nachwuchs versammelt. „Balboa junior“, murmelt Tebas, „der Junge tritt nicht, er kommandiert.“

Warum tebas plötzlich von weltmeistern träumt

Der Präsident der spanischen Profiliga ist nach Brunete gereist, um die Endrunde des Mundial FC Futures zu beobachten, einem Klub-Weltcup für Talente. Dabei redet er schneller als sonst. „Wir haben 20 Prozent unserer Akademie-Kids in der Primera División“, sagt er und klopft dabei auf ein dünnes Tablet, das Statistiken der De-la-Morena-Stiftung zeigt. „Die deutsche Bundesliga liegt bei zwölf, die Premier League bei acht.“

Die Zahl ist kein Druckfehler. Spanien dominiert die U-17-Europameisterschaften, liefert 23 der 23 Spieler, die im Juli in Berlin Olympiagold holten, aus eigener Liga. Tebas raucht nicht, aber seine Stimme klingt, als hätte er vorher eine Zigarette zwischen den Fingern gehabt. „Wir brauchen keine Super-Liga“, sagt er. „Wir haben Super-Kids.“

Vinicius? messi wurde auch ausgepfiffen

Vinicius? messi wurde auch ausgepfiffen

Die Frage nach Vinicius Junior kommt wie ein Foultritt. Brasiliens Nummer 20 wurde in den Quali-Spielen ausgebuht, seine Dribblings enden oft im Stolpern. Tebas zuckt mit den Schultern. „Messi wurde in Argentinien angefeindet, bis er ihnen den Weltcup schenkte“, sagt er. „Vinicius wird dasselbe tun. Nur schneller.“

Kurz darauf lenkt er das Gespräch zurück auf den Rasen. „Schaut euch Flamengo und Palmeiras an“, fordert er. „Die kicken hier nicht, die erziehen.“ Gemeint ist: Brasiliens Top-Vereine nutzen das Turnier als Rekrutierungsbörse. Spanien dagegen nutzt es als Blutdruckmessgerät. „Wenn wir hier nicht im Finale stehen, haben wir ein Problem“, sagt Tebas. „Wenn wir gewinnen, haben wir nur den Beweis.“

Der sohn von balboa und das geheimnis der 4.000 stunden

Der sohn von balboa und das geheimnis der 4.000 stunden

Spielerisch ist es Mario Balboa Gómez, der Real-Madrid-Zweitliga-Spross, der Tebas’ Blick fesselt. „Er spielt nicht wie U-21, er spielt wie ein verletzter Modric, der trotzdem 90 Minuten durchsteht“, sagt er. „Der Junge hat 4.000 Trainingsstunden vor dem 18. Geburtstag, das ist dreimal so viel wie der Durchschnitt in Italien.“

Tebas weiß, wie das klingt: nach Werbung für die eigene Marke. Aber er lacht nicht. „Wir haben 52 Klubs, die jedes Jahr 50 Millionen in Nachwuchs-Leistungszentren stecken“, sagt er. „Das ist kein Marketing, das ist Hypothek.“

Die Finalissima, das Prestige-Duell zwischen Europameister und Südamerika-Champion, ist für 2025 abgesagt. Tebas zuckt erneut mit den Schultern. „Wir brauchen kein Show-Spiel“, sagt er. „Wir haben 64 Klubs, die jedes Wochenende Show liefern.“

Als sich das Interview dem Ende nähert, blickt Tebas noch einmal auf den Platz. Die Bälle fliegen flacher, die Schritte schneller. „In zehn Jahren“, sagt er, „werden hier drei Weltmeister stehen. Und keiner wird mehr als 24 sein.“ Dann steht er auf und geht Richtung Ausgang. Ohne Werbung, ohne Pathos. Nur mit der Gewissheit, dass der Nachwuchs nicht mehr kommt – er ist schon da.