Sakamoto tränenreicher abschied: viermal gold, einmal olympia-pech
Kaori Sakamoto verlässt die Bühne mit dem Gesicht im Nacken und den Tränen im Gesicht. In Prag drehte die 25-Jährige ihre beste Kür aller Zeiten, summierte 238,28 Punkte und schwang sich zum vierten Mal in Folge zur Eiskunstlauf-Weltmeisterin. Dazwischen: ein Schluchzer, zwei tiefgezogene Atemzüge, dann das Lächeln einer Frau, die weiß, dass sie Geschichte geschrieben hat.
Die zahlen, die ihr keiner mehr nehmen kann
238,28 Punkte – das ist keine neue Bestmarke, das ist eine Demonstration. Sakamoto schraubte ihre eigene Grenze um mehr als zwei Zähler nach oben, ließ die Konkurrentinnen buchstäblich hinter sich. Mone Chiba rutschte als Zweite auf 228,47 Punkte ab, Nina Pinzarrone landete mit 215,20 als Dritte und größte Überraschung des Abends auf dem Podest. Dahinter: nichts als Fehlerlatte. US-Hoffnung Amber Glenn stürzte sich vom dritten Kurzprogramm-Rang auf Platz sechs, weil sich ihre Dreher wie Blei anfühlten. Auch Glenn weinte – nur ohne Goldglanz.

Was olympia verweigerte, schenkte prag
Vor fünf Wochen noch stand sie in Italien verkatert neben Alysa Liu und nahm Silber entgegen. Der Olympiasieg blieb verwehrt, blieb die einzige Lücke im sonst lückenlosen Siegeszug. Nun stopfte Sakamoto diese Lücke mit einem letzten, brillanten Programm. Liu selbst war gar nicht erst in Prag, sagte wegen Erschöpfung ab. Wer weiß, ob das Sakamoto zusätzlichen Raum gab, sich selbst zu übertreffen.

Deutsches eislaufen schaut wieder einmal zu
Während die Japanerin die Niederlage der eigenen Tränen zelebrierte, fehlte auf deutscher Seile schlicht das Ticket. Keine Athletin erfüllte die Qualifikationsvorgaben der ISU, also blieb der deutsche Kader wieder zu Hause. Für den TSV Pelkum und die Sportwelt heißt das: Trainieren, bis die Punkte reichen – oder weiter zuschauen, wie andere Geschichte schreiben.
Sakamoto wird ihre Geschichte nun selbst aufschreiben. Kein Wettkampf mehr, keine Choreo, keine 4:30-Minuten-Welt, in der sich Atem und Musik vereinen. Was bleibt, ist die Zahl vier – und ein Name, den die Eislauf-Annalen so schnell nicht vergessen werden.
