Tottenham trennt sich nach 44 tagen von tudor – abstiegsangst wächst
Igor Tudor ist weg, die Krise bleibt. Nach nur 44 Tagen und sieben Pflichtspielen – ein Sieg, ein Remis, fünf Niederlagen – trennen sich Tottenham Hotspur und der Kroate im gegenseitigen Einvernehmen. Die Trennung war erwartet, die Tabelle trotzdem ein Schock: Platz 17, nur einen Punkt vor West Ham United und damit mitten im Abstiegskampf.
Tudor versank im lärm des white hart lane
Der 46-Jährige übernahm am 18. März einen Klub mit Rissen im Fundament. Er verließ ihn mit neuen Einrissen im Stadiondach und einem Team, das in seinem System nie richtig durchstartete. Die Spurs schossen in der Premier-League-Ära von Tudor nur fünf Tore, kassierten zwölf. Die xG-Werte lagen in vier der sieben Partien unter 0,9 – ein Indiz dafür, dass sich die Mannschaft seine Spielidee nicht zu eigen machte.
Im Klub communiqué heißt es höflich: „Wir danken Igor, Tomislav und Riccardo für ihre Hingabe.“ Hinter den Kulissen sickerte durch, dass die Kabine nach der 0:3-Klatsche gegen Fulham die Leitung aufforderte, die Lücke zwischen Trainingsintensität und Punktausbeute zu schließen. Die Antwort folgt postwendend: Tudor muss gehen, Co-Trainer Tomislav Rogic und Fitnesscoach Riccardo Ragnacci ebenfalls.
Die Tragödie neben dem sportlichen Desaster: Tudors Vater verstarb während seiner London-Zeit. Der Verein spricht von „tiefer Trauer“ und „Respekt für seine Menschlichkeit“. Doch der emotionale Verlust verstärkte nur den ohnehin schon schwierigen Job. Ein Coach, der in der Öffentlichkeit stets kontrolliert wirkte, wirkte zuletzt erschöpft.

Wer wagt sich an ein wrack mit champions-league-anspruch?
Die Job-Liste liest sich wie ein Who-is-Who der verzweifelten Klubs: Graham Potter sagte bereits ab, Julian Nagelsmann gilt als zu teuer, Ange Postecoglou schwört Celtic Treue. Intern favorisieren einige Entscheider einen Interimslösung bis Saisonende, um im Sommer mit einem Neuanfang und sauberem Etat zu planen. Die Fans fordern sofortigen Kurswechsel – und zwar vor dem Kellerduell beim FC Everton am Samstag.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit Antonio Contes Rücktritt holte Tottenham aus 17 Ligaspielen nur 13 Punkte. Die erlaubten Torschüsse pro Spiel stiegen von 11,4 auf 15,7. Die Laufleistung sank um durchschnittlich vier Kilometer. Wer so die Parameter verliert, verliert auch die Liga.
Die Nachfolge muss schnell kommen, denn die Rivalen wittern Blut. West Ham bereitet sich auf den direkten Duell auf, Burnley glaubt nach zwei Siegen wieder an das Wunder. Für die Spurs bleibt einzig die Hoffnung, dass der neue Mann die Restelf noch rettet – und dass Daniel Levy endlich eine Transferstrategie findet, die über kurzfristige Pflaster hinausgeht.
