Toni schlägt alarm: atalanta ist stolz, hungrig und gerade gefährlich
Luca Toni kennt die Stimme dieses Klubs noch aus dem Schlaf: Wenn Atalanta in die Europapokal-Nacht startet, schlägt sie zweimal. Der ehemalige Bayern-Stürzer warnt den Rekordmeister vor dem Achtelfinal-Auftakt in Bergamo – und liefert die Begründung gleich mit.
„Unterschätzt diese Truppe nicht“, sagt Toni dem Münchner Merkur/tz. „Die Jungs sind stolz, dass sie überhaupt hier stehen. Und dieser Stolz macht sie richtig wütend.“

Palladino hat die mentalität umgekrempelt
Seit November steht Raffaele Palladino an der Seitenlinie. Der 41-Jährige übernahm eine Mannschaft, die unter Gian Piero Gasperini noch für ihr Hochleistungspressing berüchtigt war, aber in die Jahre gekommen wirkte. Drei Monate später wirkt Atalata wieder wie frisch geölt: Sieben Spiele ohne Niederlage, dabei 17 Tore, nur vier Gegentore. „Er hat den Glauben zurückgebracht“, sagt Toni. „Plötzlich glauben sie wieder an die europäische Überraschung.“
Der Beweis folgte in der Play-off-Runde. Gegen Borussia Dortmund lag Atalanta nach 90 Minuten im Signal-Iduna-Park 0:2 zurück. Im Rückspiel schoss Bergamo die Schwarzgelben mit 4:1 aus dem Turnier. „So eine Wende bekommt nur hin, wer sich selbst für unsterblich hält“, sagt Toni.
Genau diese Euphorie könnte den Bayern gefährlich werden. Denn anders als in der Bundesliga, wo der Gegner oft schon in der Kabine resigniert, trifft München auf einen Gegner, der jeden Ball wie ein Eintrittsgeld zum Viertelfinale behandelt.
Vincent Kompany muss indessen auf Harry Kane verzichten – oder doch nicht? „Er kann eine Rolle spielen“, sagt der Coach knapp und lässt damit mehr Fragen offen als vorher. Eine Rolle, das klingt nach Joker, nicht nach Anführer. Für eine Partie in der Gewiss-Stadium-Hölle ist das ein Risiko.
Atalantas Heimbilanz in der laufenden Champions-League-Saison: vier Siege, ein Remis, 13:3 Tore. Wer dort denkt, drei Punkte seien Pflicht, fliegt früher oder später auf die Nase. Toni weiß das, er hat in Bergamo gespielt, hat dort getroffen und wurde ausgepfiffen. „Die Kurve verzeiht nichts“, sagt er. „Und die Mannschaft auch nicht.“
Der FC Bayern reist als Favorit, doch das Etikett klebt selten länger als zehn Minuten in dieser Arena. Dann zählt nur noch, wer den nächsten Zweikampf gewinnt. Toni tippt auf Atalanta – und lacht. „Weil sie nichts zu verlieren haben. Und das ist die größte Waffe.“
