Neymar fliegt raus – ancelotti schaut weg

Der Name steht noch auf dem Zettel, aber der Körper ist nicht da. Neymar, 34, erlebte am Montag beim Training von Santos alles – außer die Gewissheit, am Wochenende auch wirklich zu spielen. Dienstagnacht flatterte die Nachricht ins Quartier: Belastungssteuerung, lautet die offizielle Diagnose. Der Superstar fehlt beim Auswärtsspiel in Mirassol. Und genau dieses Spiel wollte Carlo Ancelotti sehen.

Der brasilianische Nationalcoach landet am Freitag in São Paulo, Koffer voller Fragezeichen. Sein letztes Aufgebot vor der WM-Endrunde will er nach dem Flamengo-Botafogo-Klassiker in Rio fixieren. Drei Tage später veröffentlicht der Italiener die Liste – mit 26 Namen, die seine Seleção gegen Frankreich und Kroatien auf der US-Tour testen sollen. Neymar war bislang ein Kandidat. Jetzt ist er ein Risiko.

Der zug dampft, neymar hinkt

Die Armbanduhr des Physios zeigt 9:37 Uhr, als Neymar das Feld verlässt. Kein Schmerzgesicht, nur ein leichtes Ziehen im linken Oberschenkel. Drei Monate nach der zweiten Operation am selben Knie tickt seine Uhr anders. Santos-Coach Marcelo Fernandes redete gestern noch vom „guten Gefühl“, heute heißt es: „Wir schützen ihn.“ Geschützt wird auch Ancelotti vor einem Fehlgriff.

Der Plan: Derby gegen Corinthians am Sonntag, 16 Uhr, Vila Belmiro. Dort will Neymar seine letzte Tone show abliefern – ein Tor, ein Dribbling, ein Statement. Aber Ancelotti wird in Rio sein. Er sieht Botafogo gegen Flamengo, nicht Neymar gegen die Zeit.

Die Zahl, die alles sagt: 37 Pflichtspiele hat der Angreifer seit Oktober 2023 bestritten. 37 von 128 möglichen. Die Quote liegt bei 29 Prozent – für einen Ancelotti, der auf Durchlässigkeit und automatismen setzt, ein Wort, das mit Neymar nur noch in der Vergangenheit funktioniert.

Die liste wird kürzer, die karriere auch

Die liste wird kürzer, die karriere auch

Neymar selbst hatte im Februar noch vom „Ende vielleicht im Dezember“ gesprochen. Gemeint war 2026, doch die Kalenderseite wirkt wie ein Countdown. Sein Vertrag bei Santos läuft aus, das WM-Ticket sollte das letzte große Kapitel werden. Stattdessen liest er jetzt die Headlines über sich – nicht über Tore, son über Termine, die er verpasst.

Ancelotti schweigt öffentlich, aber im Verband kursiert ein Satz: „Wir bauen keine Träger mehr um einen Muskel ein.“ Die Mediziner haben ihren Bericht abgeliefert: Belastbarkeit ungewiss, Reaktivationszeitraum unplanbar. Für einen Turniermodus, der alle drei Tage Topleistung verlangt, ist das ein Veto in weiß.

Also bleibt das Derby. 90 Minuten, um einen Coach zu überzeugen, der woanders hinguckt. 90 Minuten, um eine WM zu retten, die er schon dreimal spielte. Und danach? Flamengo gewinnt, Ancelotti fliegt zurück, die Liste wird veröffentlicht – ohne den Namen, der einst die Seiten füllte. Brasilien geht weiter, Neymar bleibt zurück. Die Uhr tickt. Sie tickt lauter als seine Schritte.