Tonali schießt italien ins wm-finale – bosnien wartet in zenica
Sandro Tonali lief in Bergamo auf und wurde zur lebenden Legende. Ein Tor, eine Vorlage, ein Auftritt, der Italiens Traum von der WM nach zwölf Jahren ohne Turnier wieder greifbar macht. Das 2:0 gegen Nordirland war seine Show – und jetzt heißt es: Zenica, wir kommen.
Die ersten 45 Minuten sahen aus wie ein Albtraum. Kein Spielfluss, kein Mut, nur Angst, den Ball zu verlieren. „Wir waren verkrampft, ein bisschen verängstigt“, sagte Tonali nach Abpfiff. Dann kam die Kabine. Dann kam er.
Die wende nach der pause
58. Minute: Tonali nimmt einen abgefälschten Ball volley, versenkt ihn links unten. Stadio Atleti Azzurri d’Italia explodiert. 72. Minute: Er legt auf Gnonto, der eiskalt zum 2:0 vollstreckt. Die Rückrunde lebt, das Calcio atmet wieder.
„Das wichtigste Tor meiner Karriere“, sagt der Mittelfeld-Motor von Newcastle. „Ich widme es jedem, der dieses Turnier verdient. Aber wir haben noch nichts erreicht. Nichts.“ Die Stimme zittert trotzdem ein bisschen. Er weiß, dass Bosnien in Zenica eine andere Liga spielt.
Die Statistik? Brutal. Italien schoss 17 Mal, ließ nur zwei Gegentreffer zu, gewann 73 Prozent der Zweikämpfe. Doch die Zahlen interessieren Luciano Spalletti nicht. Er will Leidenschaft, will Durchschlagskraft, will endlich wieder ein WM-Ticket.

Gattusos geist in der kabine
„Wir sind alle mit Gattuso verbunden“, sagt Tonali. „Er zieht die Fäden, er schreit, er feuert. Durch ihn spüren wir diesen roten Faden, der uns zusammenhält.“ Der Trainer schwieg nach dem Spiel lange, umarmte jeden Spieler einzeln. In seinen Augen lag mehr als nur Erleichterung – es war der Blick eines Mannes, der nach Jahren des Spotts wieder an die eigene Story glaubt.
Jetzt steht Bosnien auf dem Plan. Zenica, 12. November, 20:45 Uhr. Ein Stadion, das für deutsche Auswärtsspiele schon als Hölle galt. Für Italien wird es die reinste Endstation. Tonali: „Wir müssen mit 150 Prozent rennen, mit 150 Prozent kämpfen. Das Volk verdient eine WM. Wir haben diese Verantwortung.“
Die Fans feiern bereits durch die Mailänder Nacht. In Bergamo blieben tausende vor dem Stadion stehen, sangen Lieder, die seit 2006 nicht mehr erklungen sind. Die Melodie ist alt, der Text neu: „Tonali, portaci in Qatar.“
Ein Land, das den Fußball erfand, darf sich nach zwölf Jahren endlich wieder auf das größte Turnier freuen. Die Rechnung ist einfach: Sieg in Zenica – und die Azzurri sind zurück auf der Weltbühne. Verlieren – und die Leere kehrt zurück. Tonali packt seine Schuhe ein. Er wird sie dreckig machen. Die Zeit der Angst ist vorbei.
