Tom boonen steigt im teamwagen wieder ein – und platzt der frust heraus

Tom Boonen saß nicht im Sattel, sondern am Funkgerät – und merkte schon nach wenigen Kilometern: Die E3 Saxo Classic wird zur Schreckensfahrt für sein Quick-Step-Team. Statt selbst zu attackieren, beobachtete der viermalige Gewinner aus dem Direktionswagen, wie die Flandern-Truppe sich in Karnemelkbeekstraat verspekulieren ließ.

Boonen zerreist die taktik seiner früheren farben

«Wir hatten keinen Mann im entscheidenden Moment vorne», sagte er nach der Zieldurchfahrt in Harelbeke. Die Stimme klang rau, als hätte der Staub der Kopfsteinpflasterstraßen sich in seiner Kehle festgesetzt. «Dann arbeitest du den ganzen Tag, nur um am Ende zu sehen, wie die Jungs hinterherdüsen und alles verschenken.»

Mathieu van der Poel fuhr seinerseits die alte Boonen-Parade vor: Angriff auf der Paterberg, Solofahrt, Sieg. Alles wie gehabt. Im Auto daneben schüttelte Boonen nur den Kopf. «Die Verfolger haben sich wie Schuljungs verhalten, nicht wie Profis», wetterte er. «Wenn du weißt, dass Van der Poel wegspringt, musst du sofort reagieren – nicht erst zehn Sekunden später anfangen, zu diskutieren.»

Die Niederlage schmerzt doppelt, weil Quick-Step die Frühjahrskampagne bisher dominierte. Zwei Wochen vor dem Ronde van Vlaanderen droht die belgische Mannschaft zum Zuschauer zu werden. Boonen, der eigentlich nur Gast im Auto war, musste sich wie ein Sportdirektor fühlen – ohne offizielle Kompetenzen, aber mit schmerzender Fachkenntnis.

Comeback als co-pilot? «erst einmal beobachtung»

Comeback als co-pilot? «erst einmal beobachtung»

Über eine Zukunft im Stab will er nicht sprechen. «Ich wollte einfach nur sehen, ob ich dem Team noch etwas geben kann», sagte er und zuckte mit den Schultern. «Mehr war heute nicht drin.» Die Antwort klingt wie ein Schultertropfen auf heißem Stein – für viele Fans ein Wink, dass der 42-Jährige die Lücke füllen könnte, die Patrick Lefevere seit Jahren schmerzt: einen ruhigen Kopf mit Rennhirn am Funk.

Die Zahl, die bleibt: Seit Boonens letztem Start 2017 gewann Quick-Step kein einziges Monument mehr in Flandern. Van der Poel hat inzwischen drei davon geholt. Die Uhr tickt – und Boonen weiß, dass sein Rat bald gefragt sein wird, ob er will oder nicht.