Geheime räder im profifußball: so kommunizieren vereine mit schiedsrichtern?
Während die Fans im Stadion oder vor dem Fernseher gebannt zusehen, laufen hinter den Kulissen komplexe Kommunikationsstrukturen, die oft im Verborgenen bleiben. Besonders spannend ist das Verhältnis zwischen Vereinen und Schiedsrichtern – ein Feld, das sich in den letzten Jahren gewandelt hat und nun von spezialisierten Experten geprägt wird: den sogenannten 'Club Referee Managern'.
Die neue rolle: mehr als nur protokoll
Marco Gabriele, ehemaliger Schiedsrichter mit Bundesliga-Erfahrung und heute in dieser Funktion bei Lazio Rom tätig, gibt Einblicke in die Aufgaben eines Club Referee Managers. Es geht längst nicht mehr nur darum, den Schiedsrichter in die Umkleide zu begleiten oder Taxi zu bestellen. Die Rolle hat sich zu einer strategischen Position innerhalb des Vereins entwickelt.
Gabriele erklärt: „Es gibt interne Aufgaben im Verein, aber auch externe, die die Beziehung zu den Schiedsrichtern betreffen. Im Kern geht es darum, die Spieler über die Regeln aufzuklären. Viele Profifußballer lernen erst mit dem Ende ihrer Karriere die Spielregeln wirklich kennen – oft im Rahmen eines Direktor-Sport-Lehrgangs. Während ihrer Karriere sind sie sich der Details oft nicht bewusst. Man sieht es immer wieder: Nach einem Foul wird gefragt: 'Ist es ein erster oder zweiter Fehler?' Heutzutage muss man präzise sein – man muss dem Schiedsrichter sagen, dass er den Körper des Gegners vergrößert hat, und somit ein Handspiel vorliegt.“
Und es gibt Ausnahmen, so Gabriele: „Pepe Reina war da eine Ausnahme. Er schrieb mir regelmäßig, um auch über Pfiffe in anderen Spielen zu diskutieren.“

Der 'matchday-profi': taktische hinweise für trainer und team
Die Arbeit eines Club Referee Managers beschränkt sich nicht nur auf die Aufklärung der Spieler. Vor jedem Spiel werden die Spieler und der Trainer auf den jeweiligen Schiedsrichter vorbereitet. „Wir erklären, wie er pfeift, weil die Unterschiede enorm sein können. Massa ist sehr distanziert und hält sich strikt an die Regeln, während Maresca und Guida einen dialogorientierten Ansatz bevorzugen.“
Ein Beispiel: „Wenn man weiß, dass Kvaratskhelia oft von einem Gegenspieler gefoult wird und dieser regelmäßig die gelbe Karte bekommt, muss man das Trainerteam entsprechend informieren.“

Klare regeln: direkter kontakt zum schiedsrichterverantwortlichen ist tabu
Die Kommunikation mit den Schiedsrichtern selbst folgt strengen Regeln. „Ein Club Referee Manager darf den Schiedsrichterverantwortlichen nicht direkt kontaktieren. Würde man das tun, könnte die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden. Stattdessen wendet man sich an den 'Verantwortlichen', wie Andrea De Marco, der in dieser Saison diese Aufgabe übernommen hat.“
Die Begegnung mit dem Schiedsrichter vor dem Spiel ist formal. Der Club Referee Manager begleitet das Schiedsrichterteam in die Umkleidekabine und erkundigt sich nach besonderen Bedürfnissen, wie beispielsweise einem Massagetherapeuten, falls ein Schiedsrichter nach einem anstrengenden Champions-League-Spiel noch angeschlagen ist. Nach dem Spiel organisiert er den Rücktransport.

Gute arbeit zahlt sich aus – oder auch nicht
Die finanzielle Entschädigung für diese Arbeit ist unterschiedlich. Sie reicht von einem Match-Geld von 500 bis 800 Euro netto pro Spiel bis hin zu einem jährlichen Gehalt zwischen 20.000 und 40.000 Euro. Die eigentliche Wertschätzung liegt jedoch in der Optimierung der Leistung des Teams durch eine verbesserte Vorbereitung auf die Schiedsrichterentscheidungen.
Die Rolle des Club Referee Managers ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich der Profifußball immer weiter spezialisiert und wie die Kommunikation zwischen den Beteiligten immer komplexer wird. Es bleibt abzuwarten, ob diese Entwicklung zu einer Verbesserung des Spiels beiträgt oder lediglich einen weiteren Aspekt der Kommerzialisierung des Fußballs darstellt.
