Thw kiel jagt revanche im nordderby – flensburg wartet mit trick im ärmel

Ein Satz reicht, um die Lage zu erklären: Wer am Samstag in der Kieler Sparkassen-Arena verliert, darf die Champions-League-Tickets spätestens jetzt umentieren. Nach dem Doppelsieg der Zebras in der European League droht der SG Flensburg-Handewitt der Knock-out. Die Antwort darauf könnte ein Mann liefern, der beide Klubs kennt wie seine Tasche: Dominik Klein.

Klein glaubt an jichas killer-instinkt

„Filip Jicha lebt diese Derbys, er hat sie als Spieler entschieden und wird sie als Coach wieder entscheiden“, sagt der frühere Linksaußen. 187 Länderspiele, zehn Jahre THW Kiel – und trotzdem schwärmt er vom Gegner: „Flensburg kann alles. Aber Kiel kann es in Momenten besser machen.“ Das 27:25 und 30:28 in der European League waren keine Zufälle, sondern ein Lehrstück in taktischem Feinschliff. Jicha ließ seine Rückraumachse früher wechseln, setzte Sander Sagosen ins Zentrum und zwang die SG, mit offener Deckung zu agieren. Ergebnis: zwei Ballverluste mehr, sieben Prozent niedrigere Wurfquote.

Doch Flensburg hat ein Ass im Ärmel. Trainer Maik Machulla arbeitet seit Montag mit einer 3-2-1-Abwehr, die den Kreis abschottet und den THW-Zugang zur Mitte verbaut. Klein lacht: „Ein Matchplan ist nur so gut wie seine Umsetzung. Und im Derby zählt nicht die Theorie, sondern wer zuerst schreit.“

Vier derbys in einer saison – die zocker wissen warum

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Buchmacher haben Kiel als Favorit, Quote 1,65. Die Logistik dahinter: Die Zebras gewannen fünf der letzten sechs Heimspiele gegen Flensburg, durchschnittlich mit 3,4 Toren Differenz. Die SG holte dagegen auswärts nur einen Punkt in dieser Saison – und das beim 27:27 in Leipzig. Statistik hin oder her: Die Nordlichter haben nichts zu verlieren. Bei einem Sieg wären sie nur noch zwei Zähler hinter Kiel, bei einer Niederlage fünf. Die Champions-League-Ränge wären dann ein Traum mit Horrorkulisse.

Die Fans jedenfalls sind heiß. 10.200 Karten weg, Restbestand: 42. Die U17 des THW verkauft seit gestern Fan-Buttons mit der Aufschrift „Unser Holstein“ – Limit 500, ausverkauft in 27 Minuten. Klein: „Das Derby ist kein Spiel, es ist ein Gefühl. Und das packt dich, egal ob du auf dem Feld stehst oder in der Kurve.“

Punkt 20 Uhr ertönt der „Kieler Förde-Jäger“, die Halle wird zur Kesselbunke. Dann zählt nur noch eins: Wer trifft den Plan – und wer trifft ins Netz. Die Saison ist nicht mehr rettbar, aber sie ist noch zu drehen. Und das macht dieses Nordderby zum vielleicht wichtigsten der letzten zehn Jahre. Wer verliert, darf sich auf die European League einstellen. Wer gewinnt, darf weiter von London träumen. So einfach ist das. So hart auch.