Thüringer hc vor showdown: vier-tore-vorsprung reicht nicht zum träumen
Bad Langensalza rüstet sich für einen Krimi. Der Thüringer HC hat das Final-Four-Ticket schon halb in der Tasche, doch Nykobing Falster kommt mit Messer zwischen den Zähnen in die Salza-Halle. Der 31:27-Sieg im dänischen Hinspiel? Schön und gut. „Aber wir haben noch nichts geschenkt bekommen“, sagt Herbert Müller und wischt sich die Schweißperlen von der Stirn. Der Coach weiß: Ein 4-Tore-Polster kann in 50 Minuten verfliegen wie Nebel über dem Thüringer Wald.
Müllers albtraum heißt esbjerg
Was den 54-Jährigen wirklich wach liegen lässt, ist das Video vom Mittwoch. Nykobing verlor zwar knapp beim Tabellenführer, aber das Tempo, mit dem die Däninnen durch die Gegner laufen, ließ Müller schlucken. „Angst und bange“ – so beschreibt er sein Gefühl. Seine Spielerinnen dagegen spüren vor allem eins: Schmerz. Anika Niederwiese fehlt monatelang, Johanna Reichert und Josefine Hanfland trainierten diese Woche nur mit Physiotherapeuten. Reichert könnte am Sonntag mit einer Schiene auflaufen, Hanfland mit zwei Schmerztabletten im Magen. „Wir werden nicht rotieren können wie sonst“, sagt Müller. „Jede Minute zählt doppelt.“
Die Salza-Halle wird kochen – aber nicht platzen. 1.800 Zuschauer passen rein, 3.000 wollten Karten. Die Feuerwehr sagt Nein. Und so bleibt das Final Four, sollte der THC es schaffen, ein fernes Ziel. Die Stadt Bad Langensalza hat schon abgewunken: zu teuer, zu klein, zu viel Risiko. Müller zuckt mit den Schultern: „Wir fahren dann eben nach Budapest oder Paris. Hauptsache, wir sind dabei.“

Plan b steht schon: früh starten, spät jubeln
Müllers taktische Klammer heißt Zeitspiel. Mit einem schnellen 3:0-Zwischenspurt will er Nykobing in die Defensive drängen und die Uhr schon nach zehn Minuten ticken lassen. Die Däninnen dagegen setzen auf Julie Scaglione, ihre französische Torjägerin, die im Hinspiel noch fünf Pfosten traf. „Wenn die heute trifft, wird’s eng“, sagt THC-Kapitän Kerstin Wohlbold. „Aber wenn wir sie in die Knie zwingen, fliegt ihr die Kette raus.“
Um 18 Uhr geht’s los, um 19:45 könnte der Platz branden. Dann schickt Müller seine Sieben aufs Feld, die in dieser Saison schon 37 Spiele gewannen und nur zweimal unterlagen. Die Statistik? Makellos. Die Realität? Brutal. Denn wer in der European League einmal schläft, fliegt raus – egal, wie groß das Polster war. Und so steht am Sonntag nicht nur ein Ticket auf dem Spiel, sondern die Frage, ob der Thüringer HC seine Dynastie fortsetzt oder Nykobing die nächste deutsche Großmacht stürzt. Bad Langensalza wird entweder jubeln oder schweigen. Die Uhr tickt.
