Thuram steckt im tor-tunnel: nur ein treffer in zwölf spielen – und jetzt?
Marcus Thuram läuft seit Wochen hinter seinem eigenen Schatten her. Der Franzose traf in den letzten zwölf Serie-A-Partien nur einmal – am 8. Februar gegen Sassuolo. Seitdem: nichts. Kein Tor, keine Faust, kein Jubel.

Die lautaro-falle: ohne captain geht das licht aus
Die Zahlen sind hart: In den zehn Liga-Spielen vor Lautaro Martínez’ Muskelverletzung hatte Thuram noch vier Tore auf dem Konto. Nach dem Ausfall des Kapitäns brach seine Quote ein wie ein Kartenhaus. Die Erklärung ist simpel: Mit Lautaro zieht Thuram die zentralen Laufwege, ohne ihn rückt er an den Rand, wird zum Pressing-Akku, rückt zurück, macht das „schmutzige“ Spiel. In Florenz blieb er ohne Schuss, ohne Dribbling, ohne Spur.
Inter-Fans hoffen auf den Effekt „Nationalteam-Frische“. Thuram flog nach Clairefontaine, weg vom grauen Mailänder Winter, rein in die Luft der Équipe Tricolore. Die Logik: neue Umgebung, neue Impulse, neues Selbstvertrauen. Doch die Realität nagt schon wieder: Seit Jahresbeginn kamen nur zwei Treffen – einmal im Pokal gegen den FC Turin, einmal in Reggio Emilia. Beide Male war Lautaro auf dem Platz.
Simone Inzaghi redet sich auf „Phasen“. Er weiß: Ein Stürmer lebt von Bewegung, aber auch von Dienstleistung. Wenn Thuram plötzlich der erste Pressing-Spieler ist, verbraucht er Energie, die sonst im Strafraum explodiert. Die Folge: weniger Ballaktionen in der Box, weniger Abschlüsse, weniger Tore. Die Spirale dreht sich nach unten.
Der Zeitplan ist gnadenlos. Nach der Länderspiel-Pause warten Bologna, Udinese und der Derby della Madonnina. Drei Partien, neun Punkte, ein Saisonziel. Thuram muss liefern – sonst rückt Alexis Sánchez oder Marko Arnautovic nach. Die Konkurrenz sitzt bereits auf der Bank und wärmt sich die Knie.
Die Kurve singt noch sein Lied, aber die Stimmen werden leiser. Ein Tor im Frühling würde reichen, um die Blumen wieder aufzublühen. Thuram kennt die Aufgabe: aus dem Tunnel, ans Netz, zurück ins Licht.
