Thun sprintet mit 16-punkte-polster dem titel entgegen – lustrinellis mini-schritte werden zur meister-macht

16 Punkte Vorsprung, ein Kapitän, der von „kleinen Schritten“ spricht, und eine Stadt, die plötzlich wieder an grosse Tage glaubt: FC Thun hat den FC St.Gallen im Rückspiegel verschwinden lassen und braust mit Tempo 200 auf die erste Meisterschaft seit 2005 zu.

Warum niemand mehr an thun vorbeikommt

Marco Bürki lacht nicht, aber man hört ihm das Grinsen an. „Wir machen seit Jahren kleine Schritte nach vorne“, sagt der 33-jährige Captain, und klingt dabei wie ein Bergsteiger, der weiss, dass das Gipfelkreuz nur deshalb in Reichweite ist, weil er jeden einzelnen Stein gezählt hat. Die Methode Lustrinelli: kein Sprint, kein Hype, nur Endlos-Blocktraining für den Kopf.

Die Zahlen sind brutaler als jedes Schimpfwort der Konkurrenz: 13 Siege in den letzten 15 Partien, das gefährlichste Pressing der Liga und ein Torverhältnis, das schon jetzt die Play-off-Phase vorwegnimmt. Wer Thun schaut, sieht kein einzelnes Genie, sondern elf Jogger, die gleichzeitig die Uhr wechseln.

Der hinterhof, der die super league umdreht

Der hinterhof, der die super league umdreht

Im Berner Oberland haben sie gelernt, dass Talente nicht von der Stange kommen, sondern aus dem Kraftraum unter der Haupttribüne. Dort steht ein Schild: „Erst Kondition, dann Instagram.“ Die Scout-Abteilung rekrutierte in den letzten drei Wintern ausschliesslich Spieler, die in der Jugend mindestens eine Saison als Bankdrücker durchlitten haben – Psychopathen des Laufens, keine Ballkünstler.

Und mitten drin Lustrinelli, der ehemalige YB-Europacup-Haudegen, der seinen Spielern verbietet, vor Heimspielen die Handy-Notifications zu checken. „Wenn du weisst, wie viele Punkte wir vorn liegen, vergisst du, wie viele Kilometer du noch rennen musst“, sagt er beim morgendlichen Spielfilm-Meeting. Die Mannschaft nickt, schweigt, rennt.

Nächster Gegner: FC Luzern, auswärts, Stade 10. Dezember. Die Buchmacher sehen Thun bei Quote 1,55 – ein Witz für ein Team, das seit 78 Tagen ungeschlagen ist. Bürki wird wieder in die Kamera blicken, dieselbe Antwort geben: „Wir reden nicht über den Titel, wir rennen ihn einfach tot.“

Die Saison ist noch nicht gelaufen, aber das Adrenalin der Berner Oberländer schon. Wenn sie so weitermachen, müssen die Pokalsieger 2026 nicht mehr nach Bern oder Basel reisen – sie können den Pokal direkt im Stockhorn-Tal abholen. Und dann? Dann wird ein neues Schild aufhängen: „Mini-Schritte, Maxi-Titel.“