Thun feiert meisterschaft und verliert ziswiler: seine abschiedsworte machen selbst harte weich
Nino Ziswiler tritt ab, der FC Thun marschiert Richtung Titel – und ausgerechnet jetzt packt der 26-jährige Klub-Urgestein die Szenerie mit einer Botschaft, die selbst in den sonst so lauten Fanblöcken für Stille sorgt. Ende Saison beendet der Torhüter, der in dieser Spielzeit kein einziges Pflichtspiel bestritt, seine aktive Laufbahn. Der Verein bestätigte den Rücktritt am Mittwoch, die Sozialmediä explodierten binnen Minuten.
Ein leben in gelb-schwarz – ohne abstecher
2011 stolperte der Bub vom FC Spiez ins Nachwuchsleistungszentrum der Oberländer, blieb, lernte, lebte. Seither trägt er kein anderes Wappen als das des FC Thun. 62 Profieinsätze, ein Cupfinal, ein Abstieg, ein Wiederaufstieg – und nun der Gang in die zweite Karriere. „Der Fussball endet für mich als Spieler. Aber meine Verbindung zu diesem Verein bleibt bestehen“, schreibt Ziswiler. Die Sätze klingen, als hätte er sie mit dem Herzschlag des Stadions diktiert.
Die Bilanz seiner Jahre: mehr Knie- und Schulter-OPs als Einsätze seit 2021. „Leider waren meine letzten Jahre auch von vielen Verletzungen geprägt“, sagt er. Die Diagnose lautet: chronische Sprunggelenksprobleme, auskuriert, aber nicht geheilt. „Ich möchte nach dem Fussball gesund und mit Freude durchs Leben gehen.“ Wer ihm nachsagt, er wäre nur Ersatz, kennt die Kabine nicht. Dort gilt der 1,93-Meter-Mann als mentale Stütze, als jemand, der Schiris anbrüllt und Teamkollegen aufrichtet, selbst wenn er nur Trainingskeeper ist.

Thun plant bereits mit ihm – nur anderswo
Der Klub schickt dankend und gleichzeitig fordernd: „Nino bleibt uns erhalten, die neue Rolle wird in Kürze kommuniziert“, heißt es. Intern kursiert das Wort „Cooperation Manager“, eine Mischung aus Fanbeauftragtem, Talentscout und Mentalcoach. Genau das, wofür er auf dem Feld stand, nur ohne Knieschoner. Die Ausbildung zum Fussballlehrer hat er bereits begonnen, die Stunden finden künftig nicht mehr um 7 Uhr morgens auf dem Trainingsgelände statt, sondern im Büro mit Blick auf den Stockhorn-Gletscher.
Die Fans reagieren mit einem Bild: ein Choreo aus 200 gelben Regenschirmen, aufgespannt vor dem Block G, darauf die Nummer 30 – seine Nummer. Kein Spieltag, kein Tor, trotzdem steht das Stadion. „In allen Situationen habe ich eure Unterstützung gespürt“, schreibt Ziswiler zurück. Die Energie, die er jahrelang tankte, will er nun zurückgeben. Geht nicht mehr auf dem Rasen, sondern auf der Geschäftsstelle, im Nachwuchsleistungszentrum, vielleicht auch mal wieder im Fanblock.
Der FC Thun kann sich den Luxus leisten, Titel und Identifikation zu feiern. Denn mit dem Meister-T-Shirt kommt ein Teil der Seele zurück auf die Tribüne. Nino Ziswiler wird sie tragen – nicht als Spieler, sondern als lebende Erinnerung daran, dass Treue nicht nur ein Wort ist, sondern ein Beruf. Die Meisterschaft ist so gut wie sicher, die Zukunft des Keepers auch. Und das ist mehr, als man von manchem Torschützenkönig sagen kann.
