Thun entzaubert die schweizer grosse – meistertitel schon am wochenende?
Der FC Thun spielt sich in Rauschform aus dem Stand in die Geschichte des Schweizer Fussballs. Nach 31 Spieltagen liegt der Klub aus dem Berner Oberland so weit vorne, dass er Basel und Young Boys bereits am Sonntag die Krone entreissen könnte. Die Rechnung ist denkbar einfach: Thun gewinnt gegen Lugano, gleichzeitig verliert St. Gallen in Zürich – und die Berner Oberländer wären vor dem letzten Heimspiel nicht mehr einholbar.
Die zahlen, die den favoriten bluten lassen
In den vergangenen zehn Jahren haben nur zwei Klubs den Titel geholt: Basel und Young Boys. Thun aber hat diese Saison 69 Punkte geholt – so viele wie noch nie eine Nicht-Top-3-Mannschaft nach 31 Runden. Die Tordifferenz von plus 46 nagelt die Konkurrenz an die Wand. Und die Moral? Nach dem 0:2 in Sion kamen fünf Siege in Folge, ohne Gegentor. Das ist kein Zufall, das ist ein Statement.
Trainer Carlos Bernegger spricht lieber von „kleinen Schritten“, doch hinter den Kulissen hat der Verein in den letzten 18 Monaten jeden Parameter optimiert: Trainingsintensität, Reiseplanung, Datenauswertung. Die Resultate sprechen für sich: Thun kassierte in dieser Saison erst neun Niederlagen – so wenig wie keine Mannschaft zuvor in der Super League.

Basel als letzte hürde im eigenen stadion
Die Meisterfeier dürfte frühestens in Runde 33 platziert werden – und das mit einem Drehbuch, das sich Hollywood nicht ausdenken würde: Thun empfängt den amtierenden Meister FC Basel. Die letzte Partie der Saison also gegen jene Mannschaft, die in den letzten zehn Jahren sieben Mal den Titel holte. Die Berner hätten es gern anders, doch der Spielplan verlangt nach einem Showdown, der sich über Jahre in Erinnerung brennt.
Für die Basler geht es dabei um mehr als Prestige. Mit einem Sieg könnten sie die Thuner noch einmal zurückschicken und selbst die Europa-League-Quali retten. Der Druck sitzt also auf beiden Seiten. Thuns Kapitän Marco Bürki bremst trotzdem die Euphorie: „Wir haben noch nichts gewonnen. Erst wenn der Schiedsrichter in der 33. Minute abpfeift, zählt die Tabelle.“
Die Fans denken längst weiter. Bereits jetzt sind 8.000 Tickets für das Spiel gegen Basel verkauft – Rekord für das Stockhorn-Stadion. Die Gemeinde Thun plant eine Public-Viewing-Zone auf dem Bahnhofplatz, die Polizei rüstet sich für eine doppelte Meisterparty: einmal, wenn die Rechnung am Sonntag aufgeht, und dann erneut am Finaltag. Die Stadt verwandelt sich in ein riesiges Fussballfestival – unabhängig davon, ob die Mathematik dieses Wochenende oder nächste Woche passt.
Die Konkurrenz schaut machtlos zu. St. Gallen muss nicht nur gewinnen, sondern auch auf Schützenhilfe hoffen. Young Boys-Boss Urs Fischer gibt offen zu: „Thun hat diese Saison verdient die beste Mannschaft gestellt.“ Auch Basel-Coach Timo Schultz zollt Respekt: „Wenn Thun so konstant weiterspielt, werden sie unschlagbar sein.“
Mit einem Sieg gegen Lugano würde Thun 72 Punkte erreichen – so viele wie noch nie ein Nicht-Top-3-Klub in einer Super-League-Saison. Die Tabelle lügt nicht, und die Uhr tickt für die etablierten Grossen. Die Frage ist nicht mehr, ob Thun Meister wird, sondern nur noch, wann. Die Antwort könnte schon am Sonntagabend stehen – und dann dürfte das Berner Oberland endgültig kopfstehen.
