Taube rettet mainz: nebel trifft, bremen stolpert über glücksbringer

Die Taube war schneller als Marco Grüll. In der sechsten Minute flatterte sie ins Weser-Stadion, pickte zwischen den Linien und wurde zur Hauptfigur im Kellerduell. Als Philipp Mwene den Einwurf nahm, stand Grüll noch einen Meter zu weit links – und Paul Nebel köpfte Mainz Richtung Rettung. 2:0 am Ende, 27 Punkte, Platz 14. Die Taube blieb in Bremen, die Punkte reisen mit.

Die szene, die werder den kopf kostete

Grüll winkte, pfiff, trat auf. Die Taube rührte sich nicht. Erst als Mwene den Ball schon aus der Hand ließ, setzte sie sich in die Höhe – und Grüll war im Zeitlupen-Modus. Sugawara kam zu spät, Puertas schaute nur auf den Ball, Nebel startete. Kopfball unten rechts, Jiri Pavlenka ohne Chance. „Wir waren gedanklich viel zu spät“, sagte Daniel Thioune und wusste: Die Kette begann mit einem Tier, das keine Ahnung von Abstiegskampf hatte.

Marco Friedl schüttelte sich. „Zweimal in zwei Minuten auf den einfachsten Trick reinfallen – das ist viel zu billig.“ Der Kapitän schrie sich die Seele aus dem Leib, aber das 0:1 saß schon tief in der Bremener DNA. Mainz dagegen spielte wie entfesselt – und hatte einen neuen Maskottchen-Kandidaten.

Nebels glücksbringer und fischers dreckiger sieg

Nebels glücksbringer und fischers dreckiger sieg

„Vielleicht nehmen wir die Taube mit“, lachte Nebel im Interview, halb im Scherz, halb als Aberglaube. Der 23-Jährige hatte gerade seinen dritten Saisontreffer erzielt und wusste: Diese Punkte wiegen schwerer als jedes Derby. Mwene warnte sofort: „Am Ende war es nicht der Vogel, wir haben uns durchgespielt.“ Aber er lächelte dabei. Zu gut war das Timing.

Urs Fischer sprach von einem „erwachsenen Auftritt“, aber auch von „einem dreckigen Sieg“. Die zweite Hälfte war pure Überlebensarbeit. Bremen drückte, ohne zu treffen, Mainz versank tief, aber mit breiter Brust. „Solche Erfolgserlebnisse geben uns Zuversicht“, sagte der Coach – und meinte wohl auch die, die vom Himmel kommen.

27 Punkte. Drei mehr als Bremen. Die Taube ist Geschichte, die Mainzer bleiben oben. Wer jetzt noch von Glück spricht, versteht nichts von Fußball. In der Bundesliga gehört auch das dazu: einmal mehr laufen als der Gegner – und manchmal eben auch schneller sein als ein Vogel.