Freiburg schreibt geschichte: erstes europapokal-finale perfekt

Der Europa-League-Traum lebt – und zwar so bunt und laut wie nie zuvor. Der SC Freiburg drehte gegen Sporting Braga ein 1:2-Hinspiel-Defizit, schoss die Portugiesen mit 3:1 aus dem Schwarzwald-Stadion und steht am 20. Mai in Istanbul zum ersten Endspiel der Klubgeschichte.

Schusters tränen und ein ganzer breisgau in ekstase

Julian Schuster, 41, suchte Sekunden nach dem Schlusspfiff nach Worten – und fand nur seine Emotionen. „Ich spüre eine unglaublich große Freude, wenn ich in die Gesichter der Menschen schaue“, hauchte er mit heiserer Stimme ins RTL-Mikro, während die Südtribüne wie ein einziger Herzschlag klopfte. Der Nachfolger von Christian Streich wischte sich die Augen, umarmte jeden Spieler einzeln und ließ sich anschließend von 34.700 Zuschauern feiern, die seit 120 Jahren auf diesen Moment warteten.

Das 3:1 war keine Glanznummer, sondern ein Lehrstück in Sachen Beharrlichkeit. Nach frühen Toren von Ritsu Dōan und Michael Gregoritsch schlug Braga kurz vor der Pause zurück, doch Lukas Kübler sorgte in der 72. Minute für die Vorentscheidung. Die Breisgauer liefen 114 Kilometer, gewannen 56 Zweikämpfe und ließen den Gegner in der zweiten Hälfte keinen einzigen Torschuss zu – Zahlen, die die Region schon morgen in jedem Bürgerhaus rekapitulieren wird.

Istanbul ruft – und mit ihm aston villa

Istanbul ruft – und mit ihm aston villa

Gewinnt Freiburg den Pokal, winkt nicht nur die Trophäe, sondern auch der direkte Einzug in die Champions League. Stürmer Igor Matanovic ließ keinen Zweifel: „Wir fahren nach Istanbul, um zu gewinnen. Aston Villa hat unfassbare Qualität, aber wir haben Selbstvertrauen in Reinform.“ Der 23-Jährige lachte, als ihn jemand fragte, ob die Mannschaft denn noch Energie für die restlichen Bundesliga-Spiele habe. „Wir tanken gerade. Feiern und genießen – das dürfen wir auch.“

Derweil arbeitet Sportchef Klemens Hartenbach bereits an Logistik und Ticketkontingent. Die Nachfrage übersteigt das Angebot binnen Minuten, die Wartelisten der Fanclubs wachsen stündlich. Selbst der badische Staatsweingut-Verband meldete sich: „Wenn das nicht ein Grund für einen Sonderkeller ist, was dann?“

Am Sonntag geht’s zum HSV, danach winkt Platz sieben – ein Ticket für den Europacup der nächsten Saison. Doch egal, wie die Tabelle am Ende aussieht: Der SC Freiburg hat sich selbst übertroffen und der Region ein Gefühl geschenkt, das länger anhält als jede Saisonanalyse. In Istanbul wird nicht nur gespielt, sondern auch Geschichte geschrieben – und der Breisgau wird dabei sein.