Magdeburg zerlegt szeged und fliegt nach köln: titel-vierer-traum lebt
45:37. Die Zahlen flimmern wie ein Lasershow über die Anzeigetafel, doch sie erzählen nur die halbe Wahrheit. Im Rückspiel gegen Pick Szeged verwandelte der SC Magdeburg die Bördelandhalle in einen Hexenkessel, der selbst die ungarischen Tempospezialisten in Grund und Boden stampfte. Nach dem 35:28 im Hinspiel bedeutet das 80:65-Gesamtresultat nicht nur die vierte Final-Four-Teilnahme in Serie – es ist eine Kampfansage an ganz Europa.
„Viva colonia“ ertönt, die ketten fallen
Als Schiedsrichter Stark die Partie abpfiff, schmetterte der Kölner Karnevalsklassiker aus den Boxen – und plötzlich stand kein Spieler mehr. Es tanzten nur noch Jungs aus Sachsen-Anhalt, die sich an den Schultern packten und vor lauter Adrenalin die Hymne halb vergaßen. „Wir haben 60 Minuten lang Kontrolle behalten, weil wir nicht kontrollieren wollten“, erklärt Bennet Wiegert mit schwerer Stimme. Sein Credo: Erst das Tempo erzwingen, dann die Fehler des Gegners auskosten. Szeged lief, stolperte, fiel.
Die Statistik lügt nie: Magdeburg verwandelte 81 Prozent der Siebenmeter, gewann den Zweikampfquotienten 34:26 und spielte in der zweiten Halbzeit ein 8:2-Lauf, als die Ungarn auf 22:23 herankrochen. „Danach haben wir sie einfach weggeschossen“, sagt Manuel Zehnder, dessar Rückraum-Kombination mit Lukas Mertens immer wieder die Lücken fand. Zehnder selbst traf siebenmal – mit einer Trefferquote, die selbst Bundesliga-Computer sprengt.

Historie wird nebenbei neu geschrieben
2023 und 2025 stand Magdeburg ganz oben. 2002 zum ersten Mal. Und jetzt? „Wir fahren nicht nach Köln, um Anwärter zu sein. Wir fahren hin, um den Henkelpott zu verteidigen“, stellt Wiegert klar. Der 44-Jährige nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er vom „Magdeburger Modell“ sprielt: Hohes Tempo, tiefe Rotation, konsequente Nachwuchsförderung. Die Lizenzspielerabteilung des SCM zählt aktuell 17 eigene Talente – mehr als jeder andere Champions-League-Teilnehmer.
Am Freitag um 11 Uhr entscheidet die Auslosung in Wien über den Halbfinal-Gegner. Mit Barcelona und Aalborg warten zwei Klubs, die ebenfalls Offenbarungseid schwören. Dazu die Füchse Berlin, die im Vorjahr im Endspiel unterlagen und nun Revanche wittern. „Köln ist kein Kurztrip mehr, es ist unser zweites Wohnzimmer“, sagt Manager Markus Bitterlich und grinst, als hätte er den Terminkalender schon durchgerechnet.
Die Lanxess Arena wird am 13. und 14. Juni wieder 19.500 Zuschauer fassen. Karten sind nach 47 Minuten ausverkauft. Die Nachfrage explodiert, weil Deutschland erstmals zwei Final-Four-Teilnehmer stellt – und weil Magdeburg mittlerweile eine Marke ist, die über Sachsen-Anhalt hinausstrahlt. Sponsoren stehen Schlange, die TV-Quote des Rückspiels kratzte an der Drei-Prozent-Marke. Handball als Quotenbringer – das gab es zuletzt 2007.
Doch zurück aufs Parkett. Die Jungs um Kapitän Michael Damgaard haben gerade erst begonnen. Nach dem Sieg gabs keinen Alkohol, stattdessen Eisbäder und Analyse-Videos. „Wir wissen, dass der Gegner in Köln noch schneller, noch stärker, noch raffinierter sein wird“, sagt Wiegert. Seine Stimme wird leiser, fast schon flüsternd: „Aber wir auch.“
Die nächsten fünf Wochen werden zum Test, wie viel Power sich in 40×20 Metern entfalten lässt. Magdeburg hat den Turbo gezogen. Europa soll sich warm anziehen.
